Aktionstag 24HELP der ManpowerGroup: Mitarbeiter unterstützen soziale Einrichtungen in Deutschland und sammeln persönliche Erfahrungen

Unsere Mitarbeiterin Birgit Friedlin von der Manpower Niederlassung in Lörrach, berichtet von ihrer ganz persönlichen Erfahrung beim letzten 24HELP Aktionstag der ManpowerGroup am 3. Dezember. Am Tag der Menschen mit Behinderung besuchten und unterstützen die Mitarbeiter soziale Einrichtungen.

 

Inklusion

„Hallo, ich bin Sandra und wie heißt Du?“ Ich werde in eine Welt katapultiert, die ich bisher nicht kannte. Ich habe mich nicht vorbereitet und merke im gleichen Moment, dass ich das auch gar nicht gekonnt hätte. Ich stehe in einem orangefarbenen T-Shirt zwischen zehn Menschen, die mich überwiegend mit Skepsis betrachten. „Komm“, sagt Sandra und nimmt mich an der Hand, „ich stell‘ Dir alle vor.“

Da ist Jonas, in einem elektrischen Rollstuhl, dem es schwerfällt die Worte in seinem Kopf auch auszusprechen. Peter, der mich überschwänglich mit einem Handkuss begrüßt. Inge, die nur widerwillig von Ihrer Arbeit aufsieht um mir die Hand zu geben. Ich bin völlig reizüberflutet und unsicher, was ich tun kann oder soll.

Mit einem Mal werden mir Löcher in den Bauch gefragt – auch sehr persönliche Fragen. „Hast Du einen Jungen, in den Du verliebt bist? Was sind Deine Hobbies? Was bist Du für ein Sternzeichen?“ Und schließlich die Frage aller Fragen: „Kennst Du Uno?“ Klar, kenne ich Uno, Sandra’s Augen fangen an zu leuchten und ich sitze in Nullkommanix am Tisch und spiele eine Runde nach der anderen mit ihr. Ob ich sie gewinnen lassen soll? Wie reagiert sie, wenn ich sie beim Schummeln erwische? Ich bin immer noch unsicher, habe aber nichts zu verlieren, also verstelle mich nicht, ich sage offen heraus, wenn mir etwas nicht passt – und es funktioniert.

Ich bin einer Gruppe von zehn Menschen mit Behinderung zugeordnet worden, die im Förderbereich tätig sind. Menschen, die verhaltensbedingt oder aufgrund Ihrer körperlichen Einschränkung nicht in der Werkstatt arbeiten können, aber eine Aufgabe brauchen, wie mir erklärt wird. Sie trennen kleine Teile aus Moosgummiplatten, die vorher gestanzt wurden, für eine örtliche Firma, die diese Teile in ihre Produkte einbaut. Es gibt zwei Betreuerinnen, die mit einer Engelsgeduld immer wieder auf die Gruppe eingehen. Es gibt feste Pausenzeiten, wir vespern gemeinsam, beten und hören uns eine Adventsgeschichte an.

In der Mittagspause treffen wir unsere Ansprechpartnerin wieder, die uns nach unseren ersten Stunden fragt. Hier treffe ich auch meine Kollegin wieder, die ebenfalls im Förderbereich tätig ist, allerdings mit Menschen, die noch pflegebedürftiger sind. Menschen, die stundenlang schreien, sich ohne ersichtlichen Grund aufkratzen, sich verkrampfen, die die dreifache Anzahl an Betreuern brauchen als meine Gruppe. „Meine Güte“, denke ich „und ich finde Uno nach der zwanzigsten Runde anstrengend.“

Nach der Pause freut sich die Gruppe, mich wieder zu sehen. Peter klatscht begeistert, als ich ihn einige Meter vor dem Raum treffe und ihn frage, ob ich ihn das letzte Stück im Rollstuhl schieben soll.

Jonas bohrt heute Mittag doch noch mal nach und findet heraus, dass uns die Musik verbindet. „Ich singe im Chor! Heute Abend haben wir Probe!“ ruft er begeistert, als ich ihm sage, dass ich in einem Musikverein mitspiele. „Dann können wir mal zusammen Musik machen“, sagt er und ich erwische mich dabei, wie ich darüber nachdenke und meinem Verein gleich am Abend eine E-Mail schreiben will.

Ich bemerke an mir selbst die größte Veränderung. Die Skepsis auf beiden Seiten ist weg, wir haben Spaß zusammen und ich werde fast sentimental, als ich daran denke, morgen nicht mehr dabei zu sein.

Abends falle ich todmüde ins Bett, der Tag war anstrengender als gedacht, ein Knochenjob, aber die Menschen geben so viel zurück. Ich bin froh morgen wieder an meinem Schreibtisch zu sitzen, zolle den Betreuerinnen und Betreuer aber meinen allerhöchsten Respekt.

Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob meine Gruppe in drei Monaten noch weiß, dass ich da war, bin ich sehr froh dabei gewesen zu sein, ich schätze meine körperlichen und geistigen Fähigkeiten bewusster als vorher und habe viele Berührungsängste verloren.

Birgit Friedlin, Manpower Niederlassung Lörrach

Über die Einrichtung

Das St. Josefshaus in Herten ist ein gemeinnütziges Sozialunternehmen mit einer über 135-jährigen Tradition im Dreiländereck. Gegründet durch den Hertener Pfarrer Karl-Rolfus begleiten sie - vom Geist christlicher Nächstenliebe geprägt - alte und behinderte Menschen auf ihrem Lebensweg.

Das St. Josefshaus zählt zu den ersten Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen in Deutschland. Im südbadischen Raum ist das St. Josefshaus der erfahrenste Träger in der Arbeit mit behinderten Menschen. Derzeit betreuen rund 950 Mitarbeiter an sieben Standorten 900 Menschen mit Behinderungen.