Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz betrifft jung und alt: Was Unternehmen wissen müssen

Altersdiskriminierung stellt in einigen Arbeitsmärkten noch immer ein wichtiges Problem dar, obwohl das Thema weltweit immer größere Aufmerksamkeit erfährt und viele Länder daran arbeiten, bessere Schutzmechanismen zu etablieren. Ein bedeutender Anteil der Kandidaten sieht ihr Alter als wesentliches Hindernis für die berufliche Weiterentwicklung an – und zwar an beiden Enden des Spektrums.

 

Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz - JoBlog

Was viele Kandidaten jedoch vielleicht noch nicht wissen: Immer mehr Unternehmen verstehen Generationenvielfalt als einen möglichen Lösungsansatz für den Fachkräftemangel. Offene Stellen besetzen sie zunehmend mit sogenannten Bumerang-Mitarbeitern (zum Beispiel Mitarbeiter im Ruhestand) und verstehen diese Gruppe als eine bislang nur unzureichend erschlossene Quelle für Fachkräfte.

 

Wie können Arbeitgeber die Präferenzen und Wahrnehmungen der weltweiten Kandidaten besser verstehen und für sich nutzen? Um Antworten auf diese Frage zu finden, befragte ManpowerGroup Solutions, der weltweit größte Anbieter von Recruitment Process Outsourcing (RPO), fast 4.500 Arbeitssuchende.

Offene und versteckte Altersdiskriminierung

Mehr als ein Drittel der Kandidaten weltweit (34 %) sind davon überzeugt, dass Altersdiskriminierung eines der wesentlichsten Hindernisse für ihre berufliche Weiterentwicklung darstellt. Nur ein einziger Faktor wird noch häufiger genannt:  mangelnder Zugang zu geeigneten qualifizierten Arbeitsplätzen. Damit sehen die Kandidaten in der Altersdiskriminierung ein bedeutsameres Karrierehindernis als zum Beispiel im Mangel an technischen bzw. allgemeinen Qualifikationen, im unzureichenden Zugang zu kontinuierlicher Fortbildung oder in der Geschlechterdiskriminierung.

 

Betrachtet man die Ergebnisse noch genauer, zeigt sich, dass die von den Kandidaten wahrgenommene Diskriminierung sowohl von offenen wie auch von verborgenen Faktoren beeinflusst wird.

 

Nicht nur ältere Kandidaten nehmen Altersdiskriminierung als Herausforderung wahr. Beinahe jeder vierte Kandidat im Alter von 18-24 weltweit gibt an, dass Diskriminierung aufgrund des Alters ein wesentliches Karrierehindernis darstellt. Viele Personalverantwortliche zögern etwa, Millennials einzustellen – und zwar aufgrund von sich hartnäckig haltenden Mythen und Stereotypen, etwa die angebliche Unzufriedenheit dieser Gruppe mit ihren Aufgaben beim beruflichen Einstieg oder ihre mangelnde Loyalität gegenüber Institutionen und Unternehmen. Auch Technologie birgt sicher zusätzlichen Konfliktstoff zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern und kann so zu Spannungen zwischen den Generationen führen – sowohl im Arbeitsstil wie auch bei der Kommunikation. Laut einer Studie der Society for Human Resource Management zu intergenerationellen Konflikten am Arbeitsplatz sind 31 % der jüngeren Mitarbeiter davon überzeugt, dass ihr Vorgesetzter neuen Technologien ablehnend gegenübersteht. 1

Was sehen die weltweiten Kandidaten als größte Herausforderungen für ihre Karriere?

 

  • Mangelnder Zugang zu qualifizierten Arbeitsplätzen 43 %
  • Altersdiskriminierung 34 %
  • Mangelnde Informationen zu freien qualifizierten Arbeitsplätzen    27 %
  • Unzureichende technische Qualifikationen 24 %
  • Unzureichende Qualifikationen (allgemein) 20 %
  • Unzureichende Informationen über Wachstumsbranchen 20 %
  • Zugang zu Fort- und Weiterbildung 18 %
  • Geschlechterdiskriminierung 15 %
  • Mangel an Rollenvorbildern 13 %
  • Diskriminierung aus kulturellen Gründen 11 %

Eine weitergehende Analyse zeigt: In den verschiedenen untersuchten Märkten nehmen die Kandidaten Altersdiskriminierung unterschiedlich stark als Karrierehindernis wahr. So benennt etwa mehr als die Hälfte aller mexikanischen Kandidaten (51 %) Altersdiskriminierung als eine der drei wesentlichen Herausforderungen in ihrer beruflichen Weiterentwicklung – anderthalbmal so häufig wie der weltweite Durchschnitt. Auch in Australien und in Großbritannien erreichen oder übertreffen die Umfrageergebnisse mit 37 % bzw. 34 % das weltweite Mittel. Selbst in den USA, wo es strikte gesetzliche Regelungen gegen Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt gibt, ist sie dennoch für mehr als ein Viertel der Befragten subjektiv ein wesentliches Problem.

 

Warum stellt sich Altersdiskriminierung in einigen Ländern als größeres Karrierehindernis dar als in anderen? Befragt man Branchen- und Personalexperten, reichen die Erklärungen von Stellenanzeigen, die offen Kandidaten einer bestimmten Altersgruppe umwerben, bis hin zu den jeweiligen gesetzlichen Ruhestandsregelungen. Altersdiskriminierung kann jedoch auch in der Voreingenommenheit von Personalverantwortlichen begründet sein und dabei sehr unterschiedliche Formen annehmen.

Karrierehindernisse und Altersdiskriminierung

 

Jüngere Kandidaten

 

Wenn Arbeitgeber nicht ausreichend vorausschauend denken, bevorzugen sie möglicherweise jüngere Kandidaten aus den folgenden Gründen:

  • Weniger finanzielle und familiäre Verantwortlichkeiten
  • Niedrigere Lohnkosten im Tausch für die Chance, einen Fuß in den Arbeitsmarkt zu bekommen
  • Größere physische Fitness für anstrengende berufliche Aufgaben
  • Geringere gesundheitliche Risiken

 

Ältere Kandidaten

 

Arbeitgeber vermeiden möglicherweise, ältere Kandidaten einzustellen, da sie folgende Probleme befürchten:

  • Mangel an aktuellen technologischen Qualifikationen und Kenntnissen
  • Eine Mentalität des „Das haben wir schon immer so gemacht“: Es wird an „Bewährtem“ festgehalten.
  • Widerstand oder zumindest mangelnde Bereitschaft, sich weiterzubilden
  • Mangelnde Fremdsprachenkenntnisse (insbesondere Englisch in Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern)

Wird die Personalpolitik eines Unternehmens als altersdiskriminierend wahrgenommen, kann dessen Arbeitgebermarke massiv Schaden nehmen.

 

Obwohl ein überraschend hoher Anteil der Kandidaten weltweit ihr Alter als Karrierehindernis ansieht, mehren sich die Hinweise darauf, dass Unternehmen die genau gegenteilige Botschaft aussenden sollten. Bis zum Jahr 2022 werden 35,4 % der berufstätigen Bevölkerung 50 Jahre oder älter sein.