Arbeitgebermarketing macht stark für schwere Zeiten

Der Abgasskandal bei VW kreist seit Wochen durch die Medien. Viele Autofahrer fragen sich, ob sie noch guten Gewissens einen Volkswagen kaufen können. Doch derartige Krisen betreffen nicht nur Kunden. Auch potenzielle Mitarbeiter stellen sich die Frage, ob ein manipulierender Konzern das richtige für sie ist. Angestellte strecken ihre Fühler vielleicht schon nach einem Posten in anderen Firmen aus. Doch bisher ist wenig bekannt zu dramatisch sinkenden Bewerberzahlen oder Massenflucht der Mitarbeiter. Warum?

Weil VW über eine sehr starke Arbeitgebermarke verfügt. In einer Universum-Studie konnte sich der Konzern auf Platz 13 der attraktivsten Arbeitgeber weltweit setzen. VW hatte sich deutlich vor der Krise das Ziel gesetzt, „attraktivster Arbeitgeber der Branche“ zu werden und seit 2014 diverse Maßnahmen etabliert.

Das zahlt sich nun aus. Denn langfristig sorgt Employer Branding auch in Zeiten von Skandalen und unternehmerischer Krisen für einen Attraktivitätskredit bei Fachkräften. Starke Unternehmen mit einer Arbeitgebermarke haben einen Vertrauensbonus und sind damit stabiler in der Krise. Das erkennen immer mehr Firmen. 43 Prozent der Personaler geben an, dass 2016 Employer Branding Top-Priorität in ihrem Unternehmen hat. Das ergibt eine Studie zu den Recruitment Trends 2016 von VONQ.

Attraktive Unternehmen sparen am Gehalt

Wer in Employer Branding investiert, stärkt die Markenbekanntheit seiner Firma auf dem Arbeitsmarkt. Gerade wenn man nicht VW oder BMW heißt, sollte man das berücksichtigen. Denn Investitionen in Personalmarketing zahlen sich aus. Warum? Arbeitnehmer verlangen häufig weniger Gehalt bei einem Unternehmen mit einer attraktiven Arbeitgebermarke. Umgekehrt müssen Firmen aus unattraktiveren Branchen wie Tabak, Glücksspiel oder Waffen ihren Mitarbeitern mehr Einkommen bieten als andere, zeigt eine Studie der Cass Business School an der City University in London. 

Zu vergleichbaren Ergebnissen kamen auch die Marktforscher von VONQ: Fast ein Drittel der deutschen Arbeitnehmer würde bei einem Jobwechsel auf eine Gehaltserhöhung verzichten, wenn das neue Unternehmen eine starke Arbeitgebermarke hat. 52 Prozent der Arbeitnehmer schließen den Wechsel zu einer schwachen Arbeitgebermarke aus, weitere 21 Prozent würden sich diesen mit einem Gehaltsaufschlag von mindestens zehn Prozent kompensieren lassen.

Fokus auf soziales Engagement

Ein wichtiger Baustein für eine starke Arbeitgebermarke ist Corporate Social Responsability. Ein verantwortungsvolles, nachhaltig arbeitendes Unternehmen wird Bewerbern immer wichtiger. Laut einer aktuellen Umfrage landen viele Firmen mit fragwürdigen Arbeitsbedingungen am Ende der Beliebtheitsskala. So sieht eine Befragung von Führungskräften Unternehmen wie die Kik und McDonalds auf den untersten Plätzen. Besonders jüngere Mitarbeiter, die viel beschworene Generation Y, halten nach einem Arbeitgeber Ausschau, der unternehmerisch handelt und dabei freiwillig soziale Verantwortung übernimmt: für Mensch und Umwelt und für die Gesellschaft. „Die Generation Y will Sinn in dem, was sie tut. Unternehmen müssen den sozialen Aspekt ihres Tuns stärken. Wir merken schon jetzt, dass sie die Art und Weise, wie wir – und auch andere Unternehmen – arbeiten, verändern werden“, sagt Thomas Sigi, Personalvorstand bei Audi.

Dazu kommt, dass Nachrichten dank Smartphones und sozialen Medien heute deutlich schneller und häufiger an die Öffentlichkeit kommen. Skandale, Betrugsfälle und Umweltsünden haben so mehr Einfluss auf den Unternehmenswert und die Arbeitgebermarke. An gelebter Nachhaltigkeit führt im Recruiting und bei der Arbeit an der Arbeitgebermarke künftig kein Weg mehr vorbei.