Arbeitswelt der Zukunft: Digital total

Deutschland wird älter und die Wirtschaft muss darauf antworten. Die Folgen für die Arbeitswelt sind bereits real. Niemand hält Fachkräftemangel mehr für Panikmache. In der JOBlog-Serie zur Arbeitswelt der Zukunft zeigen wir, wie der demografische Wandel für Veränderungen im Personalmanagement sorgt.

 

© Mimi Potter

Autor: Herwarth Brune 

Wir erleben gerade die rasante Digitalisierung der Wirtschaft. Die zunehmende Vernetzung und neue Technologien bringen Unternehmen und Kunden näher zusammen. Produkte und Dienstleistungen stehen quasi ad-hoc und überall zur Verfügung. Diese Entwicklungen haben massive Auswirkungen auf die Arbeitswelt und damit auch auf das HR-Management.

In unserer Studienpublikation zur Arbeitswelt der Zukunft skizzieren wir mehrere Treiber, die den digitalen Wandel ausdrücken. Ein zentraler Faktor ist der wachsende Wettbewerb um Kunden und deren steigende Macht. Online bestellte Ware wird bald standardmäßig spätestens am nächsten Tag geliefert, weil der Kunde es so von Amazon und Co. kennt. Darüber hinaus werden Produkte von der Stange zu Auslaufmodellen. Personalisierung für den Massenmarkt lautet das Stichwort. Auch traditionelle Branchen wie Finanzdienstleister und die Industrie können sich dem Druck nicht entziehen und investieren in personalisierte Angebote.

Möglich wird das durch einen enormen Technologie-Shift. Vernetzte Maschinen und smarte Fabriken sorgen dafür, dass sich Produkte industriell und trotzdem nach Maß fertigen lassen. Automatisierte Produktions- und Logistikprozesse ermöglichen effiziente Lieferungen in die ganze Welt. Mehr als die Hälfte der Konsumenten hat bereits einmal im Ausland online eingekauft. Mittels Big-Data-Technologien sind Unternehmen zudem in der Lage, Kundenverhalten und -wünsche aus einer Fülle an Daten und Quellen herauszulesen. Das geballte Wissen fließt in Innovationen, zugeschnitten auf den Einzelnen.

Auswirkungen auf die Arbeit von morgen

Und die Arbeitswelt? Sie ist von den Treibern auf zwei Arten betroffen.

Erstens bekommen Mitarbeiter und Personaler die Auswirkungen zu spüren: Die Automatisierung selbst komplexer Produktionsvorgänge sowie der Innovationsdruck führen zu Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt. Der Bedarf an hoch sowie gering qualifizierten Mitarbeitern steigt. Die Boston Consulting Group geht von 390.000 neuen Jobs in Deutschland im Industrie-4.0-Umfeld aus. Darüber hinaus entstehen komplett neue Berufe, zum Beispiel Roboterberater, Tele-Chirurg oder Verkehrsanalyst. 

Zweitens ist die Arbeitswelt selbst Teil der Digitalisierung und macht von ihr Gebrauch: Jeder sechste Jobsuchende nutzt Karrierenetzwerke wie Xing oder LinkedIn, fast jeder zehnte sucht gezielt auf Facebook. Fachkräfte stellen zudem größere Anforderungen an Unternehmen, ähnlich wie der Kunde an Hersteller und Dienstleister. Sie erwarten, dass ein Arbeitgeber auf persönliche Wünsche eingeht und bereits bei der Bewerbung für eine angenehme Candidate Experience sorgt. Das bedeutet für HR-Manager, dass sie zu Marketingexperten werden und ihre „Kunden“ besser kennen müssen. Big-Data-Analyse wird zum Tagesgeschäft gehören. HR-Abteilungen der Zukunft suchen zudem Talente aktiv online und steuern Karrieren anhand ausgefeilter Kennzahlensysteme.

Die Macht der Kunden und der Technologie-Shift sind nur zwei Treiber, die sich auf die Arbeitswelt der Zukunft auswirken. Demografie und Diversity forcieren das Umdenken im Personalmanagement zusätzlich. Wie sich Unternehmen adäquat auf die Arbeit 4.0 einstellen können, wird noch Thema im JOBlog sein.