Arbeitswelt der Zukunft: Zeit, sich demografiefest zu machen

© Gerhard Seybert

Zunächst die Demografie-Fakten:

  1. In den vergangenen fünf Jahren wurden in Deutschland im Durchschnitt 8,3 Kinder je 1.000 Einwohner geboren. Wir sind damit internationales Schlusslicht bei der Geburtenrate. Zwar ist die Geburtenrate im vergangenen Jahr wieder angestiegen. Ob es sich dabei wirklich um eine Trendwende handelt, ist derzeit aber noch nicht klar.
  2. Dank moderner Medizin werden wir immer älter. Nach der allgemeinen Sterbetafel 2010/2012 für Deutschland beträgt die Lebenserwartung für neugeborene Jungen knapp 78 Jahre und für neugeborene Mädchen rund 83 Jahre.
  3. Es verlassen viele hochqualifizierte Fachkräfte das Land. Laut Migrationsbericht der Bundesregierung kommen zwar mehr Menschen nach Deutschland als fortziehen. Doch das genügt nicht, um den künftigen Personalbedarf zu decken.

Rückgang und Überalterung der Bevölkerung bringen das Ressourcenverhältnis in Schieflage. Bei 46 Prozent der Firmen in Deutschland ist Fachkräftemangel ein reales Problem. Fast jedes zweite Unternehmen musste aufgrund von Personalengpässen schon Kundenaufträge ablehnen! Diese Lage wird sich noch weiter verschärfen: Wirtschaftsinstitute haben errechnet, dass den deutschen Unternehmen schon in zehn Jahren 6,5 Millionen Erwerbstätige fehlen.

Demografie fordert Personalmanagement heraus

So ein Talenteschwund lässt sich nicht auf Knopfdruck kompensieren. Dafür braucht es nachhaltige Konzepte. Für das HR-Management geht es um die Neuausrichtung der Personalstrategie. Der Umbau sollte jetzt in Angriff genommen werden.

Basis bilden eine Altersstrukturanalyse, Demografiechecks sowie der Aufbau einer langfristigen Personalbedarfsplanung. Die Personalgewinnung muss sich künftig auf neue oder bisher wenig im Fokus stehende Zielgruppen konzentrieren. Es gilt, auch Studienabbrecher und Quereinsteiger, Ältere und Arbeitnehmer mit Behinderung stärker anzusprechen. Dazu gehört aber auch, das Recruiting stärker zu internationalisieren und qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Personalentwicklung, Talent Management und Qualifizierung sind weitere Faktoren. Wer seine Jobpositionen mit Mitarbeitern aus den eigenen Reihen besetzen kann, ist klar im Vorteil.

Bei der demografiefesten Gestaltung der Arbeit sind HR-Manager ebenfalls stark gefordert. Altersgerechte Arbeitsplätze, ein betriebliches Gesundheitsmanagement, flexible Arbeitszeitmodelle sind nur einige Handlungsoptionen. Zudem müssen Einarbeitung, Fortbildung, Förderung und Teamentwicklung einem zunehmenden Anteil älterer Beschäftigter gerecht werden. Dazu gehört auch, die Mitarbeiterführung auf altersgemischte Belegschaften auszurichten. All das sind wertvolle Investitionen, um Know-how-Träger möglichst lange an das eigene Unternehmen zu binden.

Der demografische Wandel ist sicher der Top-Treiber für Veränderungen im HR-Management überhaupt. Über weitere Herausforderungen, wie die wachsende Vielfalt von Arbeitnehmern lesen Sie in den kommenden Wochen im Blog. Zudem gibt unsere Studienpublikation „Arbeitswelt der Zukunft“ einen detaillierten und wissenschaftlich fundierten Einblick, welche Entwicklungen die Arbeitswelt künftig prägen werden und wie Unternehmen sich mit den richtigen HR-Maßnahmen darauf einstellen können.