Bewerbungsvideos als neues Recruiting Tool: So profitieren Unternehmen

Mitarbeitervideos etablieren sich immer mehr als Tool für gutes Employer Branding und werden gerne auf Unternehmensseiten integriert. Da liegt die Schlussfolgerung nahe: Was beim Employer Branding gut funktioniert, könnte auch gut im Recruitingprozess funktionieren.

 

Autorin: Linda Bachmann (https://www.whatchado.com/de/)

 

Ist das Video vielleicht nicht nur perfekt geeignet, um die Unternehmenskultur vorzustellen, sondern auch das Recruiting Tool der Zukunft? 

Statt einem tabellarischen Lebenslauf und einem Motivationsschreiben könnten Kandidaten sich schon bald mit Hilfe von Bild und Ton vorstellen und sich selbst authentischer zeigen.

Die Digital Natives kommen – Zeit zum Umdenken

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die Millennials einen anderen Blick auf die Arbeitswelt haben als ihre Eltern. Für sie zählt die Work-Life-Balance mehr und der Cultural Fit zu den wichtigsten Kriterien bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber. Im Gegensatz dazu möchte sich die Gen Z – die nicht nur zu den Digital Natives, sondern auch zu den Social Natives zählt – durch eine passende Unternehmenskultur zwar wohl am Arbeitsplatz fühlen, doch die Loyalität zum Unternehmen ist nicht mehr so groß, wie noch bei den Millennials. Beide Gruppen der Digital Natives werden nun den Arbeitsmarkt erobern.


Umso wichtiger ist es also, die neuen Kandidaten bereits im Bewerbungsgespräch so auszuwählen, dass sie tatsächlich in das Unternehmen passen.


Durch eine Kombination aus Mitarbeiterbindung auf persönlicher Ebene und Motivation durch Spaß am Arbeitsplatz kann die Chance für eine längere Zeit im Unternehmen gesteigert werden. Zusätzlich ist die Gen Z, bestehend aus Digital- und Social Natives, mit den neuen Medien und der “Ich bekomme alles sofort”-Mentalität, die dank dem Internet und seinem unbegrenzten Free Content vorherrscht, aufgewachsen. Basierend auf diesen beiden Tatsachen – der Wichtigkeit einer passenden Unternehmenskultur und der Affinität für neue Medien – bietet das Format Video neue Möglichkeiten im Recruiting. Nach dem Motto “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”, kann ein Bewerbungsvideo auf Anhieb Einblicke in die Persönlichkeiten geben. So wie sich das Mitarbeitervideo dafür eignet, wertvolle Insights einer Firma zu präsentieren.

Das Bild spielt die Musik

Außerdem wird die neue Gruppe auf dem Arbeitsmarkt durch die Videobewerbung dort abgeholt, wo sie Zuhause ist. Denn die Jugendlichen von heute sind nicht mehr so häufig auf Facebook zu finden. Sie kommunizieren via YouTube, Instagram oder Snapchat – eben dort, wo das Bild mehr Aussagekraft hat als das geschriebene Wort. Deswegen bietet das Video auch für Unternehmen so viel Potenzial. Und eben nicht nur, um sich selbst zu präsentieren, sondern auch um den Bewerbern das Kommunikationstool zu geben, mit dem sie sich sowieso am besten auskennen.

Woher weiß man, ob der Kandidat passt?

Für Bewerber gibt es mittlerweile schon allerhand Tipps, was es bei einem Bewerbungsvideo zu beachten gibt – von der Kleidungswahl über die richtige Körperhaltung bis hin zum Setting.

Unternehmen können sich an den gleichen Punkten orientieren: Passt das Outfit zum Job oder ist der Bewerber fahrlässig, weil er sich zunächst via Screen präsentiert und nicht im persönlichen Gespräch? Auch der Hintergrund kann allerhand über einen Kandidaten aussagen und gibt einen Einblick in den Charakter. Das Setting sollte ordentlich und nicht zu überladen sein. Sind viele persönliche Dinge zu sehen? Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Kandidat relativ offen mit seinem Privatleben umgeht. Auch die Qualität ist entscheidend, da sie verrät, wie viel Aufwand in die Bewerbung investiert wurde. Sicherlich ist ein Video gerade noch ein innovativer Ansatz, dennoch sollte es nicht lediglich mit einer verpixelten Laptopkamera gedreht worden sein. Gleichzeitig sollte man bedenken, dass für die Gen Z eine Videoqualität, wie sie auf YouTube zu finden ist, bereits als zufriedenstellend gilt. Statt HD TV konsumieren sie lieber den neusten Vlog ihres favorisierten Influencers.

Generell sollten Sie bei der Bewertung eines Bewerbungsvideos immer die ausgeschriebene Stelle im Hinterkopf behalten. Suchen sie ein kreatives Mitglied für ihre Marketingabteilung, darf auch der Bewerbungsclip ruhig etwas kreativer sein.

Gleiches gilt übrigens auch für die Mitarbeitervideos Ihres Unternehmens! Die Bildsprache und der Inhalt sollten stimmig sein und sympathisch wirken.

Stirbt die klassische Bewerbung nun aus?

Digitalisierung und Digital Natives hin oder her – den klassischen tabellarischen Lebenslauf sollte ein Bewerbungsvideo nicht ersetzen. Denn für die Vergleichbarkeit von Bewerbern ist dieser unabdingbar, da es nirgendwo sonst alle wichtigen Fakten eines Bewerbers auf einen Blick zu sehen gibt. Das Bewerbungsvideo kann aber auf jeden Fall dazu dienen, die finalen Kandidaten auszuwählen. Es ist also ein wertvolles Add-on zur rein schriftlichen Bewerbungsmappe. Als Alternative könnten Sie das Video erst in der zweiten Runde des Bewerbungsprozesses einsetzen, um die engere Auswahl zu selektieren.

Ein weiterer wichtiger Schritt in Sachen Recruiting liegt dann in der Transformation zur mobilen Bewerbung. Denn für die Gen Z heißt es nicht mehr mobile-first, sondern mobile-only. Das Recruiting der Zukunft wird sich also dramatisch verändern müssen, um mit den neuen Arbeitnehmern Schritt zu halten. Wir dürfen gespannt bleiben.