Brexit: Talentmanagement in Zeiten der Ungewissheit

Die Briten haben sich für den Brexit und damit für den Ausstieg aus der Europäischen Union entschieden. Das war nicht das Ergebnis, dass sich viele international tätige Unternehmen erhofft hatten. Eine solch unerwartete Änderung des Status quo verlangt einen Wechsel zu Plan B. Ein Umfeld, in dem einzig die Ungewissheit gewiss ist, stellt kein unbekanntes Phänomen dar. In der Folge der Rezession sind wir inzwischen an ein Umfeld gewöhnt, welches von weniger Stabilität geprägt und damit schwerer vorherzusagen ist.

 

Aus dem Whitepaper “Planning for uncertainty”

In der heutigen Welt der Arbeit müssen Unternehmen Ungewissheiten einplanen und sich strukturell auf den Wandel einstellen. Die konkreten Auswirkungen des Brexit und die damit verbundene Zukunft mögen zwar noch unklar sein, aber davon sollten sich Manager nicht verunsichern lassen.

Die Augen der Welt sind derzeit auf Großbritannien und Europa gerichtet: Entsprechend kommt Arbeitgebern jetzt eine zentrale Rolle dabei zu, die Marke Großbritannien und damit den britischen Arbeitsmarkt auch weiterhin attraktiv und begehrenswert für qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland zu gestalten. Die Freizügigkeit von Arbeitskräften gehört zu den fundamentalen Grundsätzen der EU. Da der Zugang zu Fachkräften für viele Arbeitgeber einen wesentlichen Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg darstellt, müssen diese jetzt dafür sorgen, dass diese Freizügigkeit nicht nur für die bereits hier lebenden Arbeitnehmer bestehen bleibt, sondern auch für jene, die in Zukunft dort arbeiten wollen.

Nicht wenige sagen, die Entscheidung für den Brexit sei emotional getroffen worden und nicht auf Basis von Fakten. Es ist jetzt jedoch an der Zeit, die gesellschaftliche Spaltung zu überwinden. Wenn wir aus dem Brexit nur eine einzige Lehre ziehen, dann die folgende: Es gibt in unserer Gesellschaft viele Menschen, die sich entmündigt und gesellschaftlich abgehängt fühlen.

Die oft beschworene Polarisierung der Bevölkerung findet heute direkt vor unseren Augen statt. Die am weitesten entwickelten Volkswirtschaften haben für mehr als ein Jahrzehnt stagnierende Löhne erlebt – doch Durchschnittswerte können täuschen. Die Erfolgreichen, die über gefragte Fähigkeiten und Qualifikationen – etwa in der IT oder im Maschinenbau – verfügen, erlebten sogar während der Rezession steigende Löhne und Gehälter. Die Erfolglosen, die nur über geringe oder gar keine Qualifikationen verfügen oder deren Fähigkeiten veraltet sind, mussten hingegen hinnehmen, dass ihre Löhne stagnierten oder sogar sanken. Seit 2008 stagniert das Lohnwachstum in Großbritannien mit der Hälfte des zuvor üblichen Tempos und die Produktivität steigt praktisch überhaupt nicht mehr. Viel zu viele Menschen sehen daher für ihre Zukunft keinerlei Perspektiven.

Diese Situation ist nicht allein auf Großbritannien beschränkt, sondern stellt eine wichtige Warnung für Führungskräfte und Volkswirtschaften auf der ganzen Welt dar. Sie ist Ergebnis des strukturellen Wandels infolge der Rezession: Kräfte wie technologische Veränderungen, Globalisierung, demographischer Wandel und eine Verbesserung der Versorgungsketten wirken sich immer stärker auf die Arbeitsmärkte aus. Für viele Menschen hat das äußerst beunruhigende Folgen.

Unternehmen stehen jetzt in der Verantwortung, positiv zum gesellschaftlichen Wandel beizutragen. Arbeitgeber müssen sich fragen, was sie tun können, um die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen zu verbessern. Wie können sie in regionale Fachkräftepools investieren und Bildungsmöglichkeiten bereitstellen, die erlauben, Fachkräfte-Pipelines aufzubauen? Investitionen in Menschen und in auf die unternehmerischen Bedürfnisse abgestimmte Fortbildungsprogramme sorgen auch langfristig dafür, dass Menschen nachhaltig für den Arbeitsmarkt attraktiv bleiben. So haben Unternehmen die einmalige Chance, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und wesentlich zur Lösung der anstehenden Probleme beizutragen.