Deutsche Arbeitgeber halten sich beim Personalaufbau zurück

Im zweiten Quartal ist die Wirtschaft in Deutschland leicht geschrumpft. Was bedeutet das für die Jobaussichten hierzulande? Die ManpowerGroup hat sich im Rahmen des vierteljährlichen Arbeitsmarktbarometers MEOS wieder bei deutschen Arbeitgebern umgehört und ihre Einstellungspläne abgefragt. Das Ergebnis: Die Firmen bleiben zurückhaltend, nachdem ihre Personalpläne bereits im dritten Quartal einen Dämpfer erlitten hatten. Der Netto-Beschäftigungsausblick im vierten Quartal 2019 zeigt sich aber relativ stabil.

 

 

Mit 85 Prozent plant die große Mehrheit der Arbeitgeber, zwischen Oktober und Dezember 2019 die Belegschaft stabil zu halten. Elf Prozent wollen Mitarbeiter einstellen. Drei Prozent wollen voraussichtlich Personal abbauen. Aus diesen Ergebnissen resultiert der sogenannte Netto-Beschäftigungsausblick, der saisonbereinigt für das vierte Quartal 2019 bei +6 Prozent liegt. Ein positiver Netto-Beschäftigungsausblick bedeutet, dass mehr Arbeitgeber Stellen schaffen als abbauen wollen. Für das Arbeitsmarktbarometer MEOS befragt die ManpowerGroup jedes Quartal in Deutschland etwas mehr als 1.000 und weltweit sogar 60.000 Arbeitgeber in insgesamt 44 Ländern nach ihren Erwartungen zur Beschäftigungslage in ihrem Unternehmen für die jeweils nächsten drei Monate.

Schwächere Konjunkturaussichten bremsen Arbeitgeber

Die andauernde Zurückhaltung beim Recruiting ist der unsicheren Konjunktur geschuldet. Die Anzeichen für eine bevorstehende wirtschaftliche Talfahrt verdichten sich. Die Handelskonflikte zwischen den USA und China hinterlassen Spuren und belasten die Welt-Konjunktur. Das dämpft auch die Stimmung in Deutschland. Jetzt halten die Unternehmen ihre Belegschaft fast alle stabil. Freiwerdende Stellen werden nachbesetzt.


Fachkräftemangel erschwert Rekrutierung

Wenn die Aufträge weniger werden, sparen viele Firmen zuerst bei den Dienstleistern und Zulieferern. Das spiegelt sich in der Branchenentwicklung. Vor allem Logistiker und Kommunikationsfirmen suchen im vierten Quartal dieses Jahres weniger Mitarbeiter. Sieben Prozent planen sogar mit geringerer Personalstärke - so viele wie in keiner anderen Branche. Die Bereiche Logistik, Lager und Kommunikation weisen einen negativen Beschäftigungsausblick von -1 Prozent aus. "In der Logistik wird zwar investiert, aber die digitale Transformation verändert den Personalbedarf: Die Arbeitgeber haben Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Es mangelt an Fachkräften, etwa aus der IT", sagt Frits Scholte, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. 

Schwer tut sich auch die Industrie. Fachkräfte werden für viele Bereiche weiterhin dringend gesucht, aber die Belegschaft wird nur in Ausnahmefällen vergrößert. Laut Arbeitsmarktbarometer muss das produzierende Gewerbe mit einem Ausblick von +7 Prozent weitere Einbußen hinnehmen. "Zuletzt ist die Produktion so weit zurückgegangen wie seit einer Dekade nicht mehr. Auch die Autoindustrie sieht schwere Zeiten auf sich zukommen: Absatzeinbrüche weltweit zwingen Hersteller zum Sparen und treffen auch ihre Zulieferer", sagt Scholte.

Bessere Jobaussichten bestehen in der Bauindustrie. Die Branche erholt sich im Vergleich zu den Vorquartalen und macht den Einbruch fast wett. Sie steht bei einem Beschäftigungsausblick von hoffnungsvollen +11 Prozent.

Soziale Einrichtungen suchen Mitarbeiter

Die Personalabteilungen von öffentlichen und sozialen Einrichtungen suchen verstärkt qualifizierte Mitarbeiter. Mit einem Netto-Beschäftigungsausblick von +12 Prozent erreicht dieser Bereich den besten Wert der vergangenen acht Jahre. Das ist ein Plus von vier Prozentpunkten gegenüber dem Vorquartal. 18 Prozent der Arbeitgeber wollen zusätzliche Mitarbeiter einstellen, niemand will Personal abbauen. "Im Gesundheitswesen und der Pflege werden Fachkräfte mittlerweile händeringend gesucht. Auch Erzieher für den Kita-Ausbau sind gefragt. In diesen Bereichen stehen Arbeitgeber im Wettbewerb um die Fachkräfte", sagt Scholte.

Starker Arbeitsmarkt im Süden - Gegentrend in München

Regional zeigt sich vor allem der Süden stark: Der Beschäftigungsausblick liegt bei +12 Prozent. Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen in München dagegen dürfte sich verringern. Nachdem die bayerische Landeshauptstadt im vergangenen Quartal den stärksten Wert aller Regionen erreichte, befindet sie sich nun auf Talfahrt. Der Beschäftigungsausblick liegt bei -1 Prozent. Das ist der pessimistischste Wert seit mehr als neun Jahren. Er liegt 13 Prozentpunkte unter dem vorangegangenen Quartal wie auch dem Vorjahreswert.

Über das ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometer

Die ManpowerGroup veröffentlicht jedes Quartal das ManpowerGroup-Arbeitsmarktbarometer, für das weltweit mehr als 60.000 Arbeitgeber in 44 Ländern zu ihren Einstellungs- und Entlassungsplänen im jeweils kommenden Quartal befragt werden. Die erhobenen Daten werden von jahreszeitlichen Schwankungen befreit. Mit dem internationalen Titel "ManpowerGroup Employment Outlook Survey" (MEOS) ist das Arbeitsmarktbarometer die am längsten laufende weltweite Untersuchung zur Einschätzung der zukünftigen Arbeitsmarktentwicklung.

Mehr Informationen und ausführlichere Ergebnisse zum aktuellen Arbeitsmarktbarometer finden Sie auch unter
https://www.manpowergroup.de/neuigkeiten/studien-und-research/arbeitsmarktbarometer/