Flexibilität im Job: Was sollten Arbeitgeber tun?

Aus der Studie: Globale Candidate Preferences

Befragt wurden 14.000 Berufstätige im Alter zwischen 18 und 65 Jahren in 19 Ländern.

Die Bewerber gaben darüber Auskunft, welche Faktoren für sie bei der Jobsuche entscheidend sind.

 

Flexible Arbeitszeitgestaltung ist längst nicht mehr nur ein Wunsch von arbeitenden Müttern und Millennials. Arbeitnehmer aller Altersstufen wünschen sich eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. In dieser Blogserie (hier geht es zu Teil I, II und III) erklären wir, welche Präferenzen Bewerber weltweit haben und wie Unternehmen auf diese eingehen können.

In Teil IV erklären wir, was Arbeitgeber konkret tun können, um auf den Wunsch der Mitarbeiter nach mehr Flexibilität eingehen zu können.

Spitzen-Fachkräfte finden und binden

Schaffen Sie ein ergebnisorientiertes Anreizsystem

Arbeitgeber sollten Anreize und Belohnungen für Ergebnisse und Performance vergeben, nicht nur für die aufgewendete Arbeitszeit. Definieren Sie klare Ziele und Termine. Solange die Mitarbeiter beides einhalten, ist die Erfassung von Arbeitszeit unnötig.

1. Sorgen Sie dafür, dass bestehende Flexibilitätsangebote zum Normalfall werden

Arbeiten Sie an der Kultur Ihres Unternehmens und machen Sie ortsunabhängiges Arbeiten zur ganz normalen Option – etwa über interne Fortbildungsangebote und Kampagnen. So können Sie das Stigma der Flexibilität neutralisieren.

Ein US-amerikanisches Buchhaltungsunternehmen setzte zu diesem Zweck auf eine Poster-Kampagne: Die Motive zeigten zufriedene Mitarbeiter, die ihre flexible Arbeitszeit außerhalb des Büros verbringen – beispielsweise beim Angeln in Oregon oder beim Gesellschaftstanz. Ergänzende Testimonials verbanden Ortsunabhängigkeit mit Produktivität und beruflicher Zufriedenheit. Die Kampagne wirkte, die Wahrnehmung der Mitarbeiter veränderte sich: Innerhalb von fünf Jahren stieg der Anteil der Arbeitnehmer, die davon überzeugt waren, dass ortsunabhängiges Arbeiten und beruflicher Aufstieg durchaus vereinbar sind, von 30 auf 65%.

2. Gehen Sie in kleinen Schritten vor

Unternehmen müssen den Übergang vom traditionellen zum virtuellen Arbeitsplatz nicht über Nacht erzwingen. Beginnen Sie bei den drängendsten Problemen: Falls etwa lange Anfahrtszeiten, Verkehrsprobleme oder unzureichende Verkehrsinfrastruktur ein wichtiges Thema sind, sollten Unternehmen überlegen, eine Kernarbeitszeit von 10:00 Uhr bis 19:00 Uhr einzuführen – alternativ flexible Arbeitstage, an denen die Mitarbeiter ortsunabhängig arbeiten können.

Führungskräfte und Personalverantwortliche sollten die spezifischen Faktoren für den Wunsch nach Arbeitszeitflexibilität genau verstehen. Dabei sollten Unternehmen gezielt den Dialog mit ihren Mitarbeitern suchen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Flexibilisierungsmaßnahmen auch wirklich den Bedürfnissen der Mitarbeiter entsprechen.

4. Nutzen Sie geeignete Technologie

Virtuelle Realität wird die Zusammenarbeit am Arbeitsplatz revolutionieren: Sie bringt die Mitarbeiter vor Ort mit Telearbeitern zusammen. Das zumindest sagen die Experten voraus. Doch Unternehmen müssen auf diese Entwicklung nicht warten. Es sind bereits zahlreiche andere Software-Technologien verfügbar, mit denen sich flexible Arbeitsmodelle erfolgreich umsetzen lassen. So gibt es bereits Werkzeuge zur Zeiterfassung, zur Organisation von Arbeitsabläufen, zur internen Kommunikation, zum Projektmanagement und Feedback geben. Aus diesem breiten Angebot können Unternehmen die Werkzeuge auswählen, die ihren Bedürfnissen entsprechen.

5. Ziehen Sie kollaborative Beschäftigungsmodelle in Erwägung

Unternehmen, die zur Deckung ihres Fachkräftebedarfs vermehrt auf Teilzeit-Modelle setzen, können von neuartigen Fachkräfte-Communities profitieren – zum Beispiel von sogenannten  „kollaborativen Beschäftigungssystemen“. Kollaborative Beschäftigung ist zum Beispiel für solche Einzelhandelsunternehmen besonders sinnvoll, die Probleme haben, geeignetes Personal für Saisonarbeit zu finden. Bei Saisonarbeit denkt man zwar zumeist an die Weihnachtszeit; gemeint sind jedoch alle Zeitperioden, in denen es vorhersehbare Schwankungen im Personalbedarf gibt. Der Bericht „Collaborating With Competitors” der ManpowerGroup zeigt detailliert auf, wie gemeinsame Fachkräftepools Risiken vermindern, Kosten reduzieren, die Agilität steigern und das Management von Produktionszyklen vereinfachen.

6. Nutzen Sie das Potenzial neuer Fachkräftepools.

Bisher nur eine Vision, aber schon bald vielleicht eine wertvolle Möglichkeit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen: Der “Shared Talent Pool”, oder “geteilter Fachkräftepool”.
Dabei greifen Unternehmen aus der gleichen Branche, die Menschen mit ähnlichen Fähigkeiten suchen, auf einen gemeinsamen Pool an Talenten zu. Die Talente in diesem Pool haben dabei die Möglichkeit einfach von einem Arbeitgeber zum anderen zu wechseln und neue Erfahrungen zu sammeln.
Über derart flexible Arbeitsmodelle lassen sich neue Pools potenzieller Kandidaten erschließen, die sich bisher nur schwer in eine traditionelle Arbeitskultur integrieren ließen, etwa Studenten, Ruheständler und Menschen mit Behinderung, sowie viele andere Gruppen, die auf Arbeitszeitflexibilität angewiesen sind. Daraus ergibt sich zudem noch ein zweiter Vorteil: Das Unternehmen gewinnt an Diversität.

Fazit

Auch in Zukunft werden Bewerber zunehmend nach flexiblen Modellen für Arbeit und Arbeitszeit verlangen. Arbeitnehmer, die extern oder in Gleitzeit arbeiten und so ihr Berufsleben auf ihre persönlichen Bedürfnisse abstimmen können, werden dieses Privileg so schnell nicht wieder aufgeben. Wenn Unternehmen die weltweit besten Fachkräfte gewinnen und an sich binden wollen, müssen sie auf die Interessen ihrer Bewerber eingehen. Allerdings ergänzen sich die Vorlieben der Bewerber und die zunehmend globalisierte Wirtschaft perfekt: Unternehmen müssen sich in ihrem Portfolio zunehmend internationaler ausrichten und mit Kunden sowie Geschäftspartnern auf der ganzen Welt interagieren. Entsprechend sind es nicht nur die Wünsche der Bewerber, sondern auch Geschäftsmodelle, die den Trend zur Flexibilisierung der Arbeitswelt befeuern.