Flexibilität im Job: Welche Branchenunterschiede gibt es?

Aus der Studie: Globale Candidate Preferences

Befragt wurden 14.000 Berufstätige im Alter zwischen 18 und 65 Jahren in 19 Ländern.

Die Bewerber gaben darüber Auskunft, welche Faktoren für sie bei der Jobsuche entscheidend sind.

 

Flexible Arbeitszeitgestaltung ist längst nicht mehr nur ein Wunsch von arbeitenden Müttern und Millennials. Arbeitnehmer aller Altersstufen wünschen sich eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. In dieser Blogserie (hier geht es zu Teil I und Teil II) erklären wir, welche Präferenzen Bewerber weltweit haben und wie Unternehmen auf diese eingehen können.

In Teil III erklären wir, welche Branchenunterschiede es gibt.

„Für IT-Experten ist es heute Normalität, unabhängig von Ort und Zeit, in Projekten zu arbeiten. Besonders in kritischen Projektphasen hilft es ihnen aus dem Home-Office konzentriert die gewünschten Ergebnisse zu liefern. Mit der flexiblen Zeiteinteilung können sie zudem individuell ihre persönliche Work-Life Balance gestalten.”

Sven Wilhelm, Practice Lead RPO, ManpowerGroup Solutions, Deutschland

Manche Branchen eignen sich besser für flexible Arbeitsmodelle als andere – das ist ein oft genanntes Argument. So können etwa Programmierer problemlos ortsunabhängig arbeiten. Ärzte oder Krankenschwestern haben diese Möglichkeit eventuell jedoch nicht, auch wenn das Voranschreiten der Telemedizin massive Umbrüche im Gesundheitswesen mit sich bringt. Branchenabhängig gibt es jedoch deutliche Unterschiede in den Präferenzen der Kandidaten.

Die Faktoren, die das Bedürfnis nach Arbeitszeitflexibilität vorantreiben, existieren überall in der Arbeitswelt. Ob und in welchem Umfang sich flexible Arbeitsmodelle auf die Bedürfnisse von Arbeitgebern und Kandidaten abstimmen lassen, ist jedoch abhängig von der Art der Arbeit – und wie gut sich Ergebnisse und Performance erfassen lassen.

Arbeitnehmer mit einer Bürotätigkeit, etwa in der IT oder im Bereich Finanzdienstleistungen:

  • 32% bevorzugen Home-Office in Vollzeit
  • 27% bevorzugen ortsunabhängiges Arbeiten  

Arbeitnehmer im Gesundheitswesen oder im Einzelhandel:

  • 12% wünschen sich verkürzte Schichten oder Arbeitswochen
  • 23% wollen mehr Mitsprache bei der Schichtwahl 

Vollzeitbeschäftigung – nicht mehr das Maß aller Dinge?

Die stetig zunehmende Bedeutung der Gig Economy ist ein großes Medienthema. Und auch unsere Studie zeigt, dass sich 36% der Befragten Arbeitsmodelle jenseits der Vollzeitarbeit wünschen. Arbeitgeber gewinnen an Agilität und können besser auf aktuelle Marktentwicklungen reagieren, wenn sie Mitarbeiter projektweise oder befristet beschäftigen. Solche Beschäftigungsformen lassen sich oft auch schneller umsetzen: Sie benötigen zum Beispiel weniger Freigaben von Führungskräften oder Personalverantwortlichen; herkömmliche Stellenausschreibungsprozesse werden einfach übersprungen.

Auch Vollzeitbeschäftigte wollen mehr Flexibilität

Arbeitszeitflexibilität ist in der öffentlichen Wahrnehmung oft untrennbar mit Teilzeitarbeit verbunden; die Gig Economy* ermöglicht aber auch andere Arbeitsmodelle als das der Vollzeitbeschäftigung. Sind also Vollzeitbeschäftigte an flexibleren Arbeitsmodellen nur wenig interessiert? Nein, das Gegenteil ist der Fall: 54% derjenigen, für die Flexibilität zu den drei wichtigsten Motivationsfaktoren gehört, ziehen gleichzeitig die Beschäftigung in Vollzeit vor. Arbeitgeber tun also gut daran, anzuerkennen, dass flexible Arbeitszeitgestaltung für Vollzeitbeschäftigte eine hohe Bedeutung hat. Auch sie wollen beispielsweise Beruf und Familie unter einen Hut bringen.

*Gig Economy:
Die Gig Economy bezeichnet einen vergleichsweise neuen Teil des Arbeitsmarktes. Kleine Aufträge, die kurzfristig an eine Vielzahl von unabhängigen Freiberuflern vergeben werden.
Quelle: Brandeins

In unserer Befragung zeigte sich zudem ein klarer Zusammenhang zwischen Arbeitszeitflexibilität und Projektarbeit. Die Kandidaten, die Projektarbeit bevorzugen, haben auch eine klare Präferenz für Home-Office; sie möchten zumindest einen Teil oder sogar die ganze Arbeitszeit zu Hause verbringen. Auch Arbeitnehmer, die befristete Beschäftigung vorziehen, profitieren von räumlicher und zeitlicher Unabhängigkeit. So können sie ihre beruflichen und persönlichen Prioritäten besser in Einklang bringen.

In Teil IV dieser Blogserie geben wir konkrete Tipps, wie Arbeitgeber auf den Wunsch der Mitarbeiter nach Flexibilität im Job, eingehen können.