Flexibilität im Job: Welche Modelle gibt es?

Aus der Studie: Globale Candidate Preferences

Befragt wurden 14.000 Berufstätige im Alter zwischen 18 und 65 Jahren in 19 Ländern.

Die Bewerber gaben darüber Auskunft, welche Faktoren für sie bei der Jobsuche entscheidend sind.

 

Flexible Arbeitszeitgestaltung ist längst nicht mehr nur ein Wunsch von arbeitenden Müttern und Millennials. Arbeitnehmer aller Altersstufen wünschen sich eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. In dieser Blogserie stellen wir Ihnen neue Erkenntnisse zu den weltweiten Präferenzen der flexiblen Arbeitszeitgestaltung vor.

In Teil I erklären wir, welche Formen der Flexibilität es überhaupt gibt.


Unter diesem Link finden Sie die gesamte Studie!

Mit Flexibilität wird oft die Forderung von vornehmlich jungen Mitarbeitern oder Eltern an Arbeitgeber assoziiert. Unsere Arbeit und auch die Ergebnisse unserer weltweiten Studien zeigen jedoch, dass das nur ein kleiner Teil des Gesamtbildes ist.

Flexibilität spiegelt sowohl die Bedürfnisse der Arbeitnehmer als auch die der Arbeitgeber wider, wie das Alfred P. Sloan Center on Aging and Work am Boston College feststellt

„Unternehmen richten sich immer internationaler aus, sei es nun in ihren Services und Produkten oder in ihrer Lieferkette. Um mit Kunden und Geschäftspartnern weltweit effizient interagieren zu können, benötigen sie eine Belegschaft, die zeitlich und räumlich flexibel ist.“

Für die Bewerber von heute hat Arbeitszeitflexibilität für berufliche Entscheidungen enorm an Bedeutung gewonnen: Innerhalb nur eines Jahres nahm die Relevanz in einigen der teilnehmenden Länder um 20 bis 30% zu. Heute benennen beinahe 40% der Befragten flexible Arbeitszeitgestaltung als einen der drei wichtigsten Motivationsfaktoren, wenn es um berufliche Entscheidungen geht.

Bewerber fordern mehr Flexibilität

In vier der fünf großen Arbeitsmärkte, die wir in den  letzten zwei Jahren beobachtet haben (China, USA, Australien und Großbritannien) ist ein Trend erkennbar: Immer mehr Bewerber benennen Arbeitszeitflexibilität als einen der drei wichtigsten Motivationsfaktoren für ihre beruflichen Entscheidungen. Innerhalb nur eines Jahres nahm die Anzahl dieser Bewerber in China um 30% zu, in den USA um 29% und in Australien um 21%.

Dass die Arbeitszeitflexibilität so an Bedeutung gewonnen hat, hängt mit einer Vielfalt von Faktoren zusammen, darunter die Präsenz international tätiger Unternehmen, die Zusammensetzung der Belegschaft (etwa eine große Anzahl von Millennials), die Arbeit von Gewerkschaften, der Einfluss von Technologiefirmen auf den Arbeitsmarkt und natürlich wirtschaftliche Gründe wie die Arbeitsmarktentwicklung. Doch auch andere Faktoren spielen eine Rolle, etwa lange Anfahrtszeiten und Staus im Berufsverkehr, mangelnde Infrastruktur oder unzureichend ausgebauter öffentlicher Nah- und Fernverkehr.

Face-time war gestern

Viele Jahre herrschte in Unternehmen eine Kultur vor, in der die Anwesenheit der Mitarbeiter oft mehr Bedeutung hatte als die eigentliche Arbeitsleistung. Heute hingegen glauben zwei Drittel (63%) der interviewten Bewerber nicht mehr, dass sie für ihre Arbeit unbedingt an ihrem Schreibtisch im Unternehmen sitzen müssen. Die Arbeitgeber reagieren bereits auf diese Entwicklung: Mehr Unternehmen als jemals zuvor bieten flexible Arbeitszeitmodelle an. Die flexible Arbeitszeitgestaltung bedeutet für die Unternehmen möglicherweise einen entscheidenden Vorteil bei der Rekrutierung und langfristigen Bindung gesuchter Fachkräfte.

Wie definiert sich Flexibilität eigentlich?

Wenn wir von flexibler Arbeitszeitgestaltung sprechen, ist damit ein breites Spektrum von möglichen Modellen gemeint – beginnend damit, dass Mitarbeiter selbst entscheiden, wann sie Pause machen, über Programme, die Home-Office ermöglichen, bis hin zur Freistellung für die Pflege von Angehörigen:

  1. Arbeiten in Gleitzeit
  2. Ortsunabhängiges Arbeiten bzw. Home-Office in Vollzeit
  3. Freiheit bei der Wahl der Arbeitsschichten
  4. Home-Office in Teilzeit
  5. Verkürzte Schichten bzw. Arbeitswochen
  6. Sabbaticals oder Pausen in der Berufstätigkeit (zum Beispiel zusätzlicher Urlaub)
  7. Unbegrenzter bezahlter Urlaub
  8. Freistellung zur Pflege von Angehörigen 

Welche Arbeitsmodelle gibt es?

Jenseits der traditionellen Vierzigstundenwoche sind eine ganze Reihe von neuen Arbeitsmodellen entstanden. Im Rahmen dieser Umfrage konnten die Befragten zwischen sechs Szenarien auswählen, die ihr aktuelles und/oder bevorzugtes Arbeitsmodell beschreiben.

  • Vollzeitarbeit
  • Teilzeitarbeit
  • Befristete Beschäftigung (festgelegte Vertragslaufzeit)
  • Projektarbeit (selbständige oder freiberufliche Tätigkeit in zuvor festgelegtem Umfang)
  • Zeitarbeit (kurzfristig, außertarifliche Mitarbeit)
  • Saisonarbeit


Nicht für alle Jobs stehen diese Optionen zur Verfügung. Dennoch sind Unternehmen bemüht, ein Spektrum dieser Modelle für Bewerber in allen Lebensphasen anbieten zu können. Denn so individuell wie die Lebenssituation von Menschen in einem Unternehmen ist, so vielfältig sollte auch der Gestaltungsspielraum sein, den Unternehmen anbieten.

Das geht auch über den persönlichen Dialog und gute Modelle.