Für CEOs gibt es keine Schule

CEO der ManpowerGroup

Autor: Jonas Prising 

 

Als ich noch ein junger Mann war, wusste ich nicht wo meine Karriere mich hinführen würde. Durch meine Eltern hatte ich das Glück, verschiedene Länder, Sprachen und auch Blickwinkel auf die Arbeitswelt kennenzulernen. 
Ich wusste damals jedoch nicht, so wie es bei vielen jungen Menschen der Fall ist, welchen Beruf oder welchen Karriereweg ich einschlagen sollte. Ich wusste nur, dass ich lernen und viele Erfahrungen sammeln wollte, um so besser zwischen den verschiedenen Optionen wählen zu können.  

 

Die Arbeitswelt verändert sich stetig

Die jungen Menschen von heute sind mit den gleichen Unsicherheiten konfrontiert wie früher: Jedoch ist das Umfeld heute komplexer und ändert sich schneller. Die Arbeitswelt verändert sich stetig. Die individuellen Talente jedes Einzelnen sind ein Katalysator für geschäftlichen und wirtschaftlichen Erfolg. Damit auch junge Menschen von diesem Erfolg partizipieren können, brauchen sie Chancen. Sie sollten die Wahl haben sich weiterzubilden, neue Technologien zu erlernen, für den Job umziehen zu können (um auch Jobs in anderen Regionen anzunehmen) und sich auch im Job ständig weiterzuentwickeln, online sowie offline. Wenn Wirtschaft, Regierung und Bürger nachhaltiges Wachstum wollen, müssen sie gemeinsam an Lösungen arbeiten, um jungen Menschen Chancen zu ermöglichen.  

Vor zwei Monaten sprach ich in Chicago vor jungen Leuten, die an einem “Junior Achievement programme” teilnehmen. Die Organisation möchte junge Menschen inspirieren und sie darauf vorbereiten, in der globalen Wirtschaft erfolgreich zu sein. Ich war überrascht, dass den Studenten die Komplexität des globalen Umfelds bewusst war und sie auch über Jugendarbeitslosigkeit informiert waren, sei es durch persönliche Erfahrung oder durch Familie und Freunde. Weltweit sind etwa 73 Millionen junge Menschen weder in Arbeit noch in Ausbildung. Das ist die nächste Generation - die Generation die sich mit Entwicklungsstrategien beschäftigen wird, um globale Ungleichheit zu verringern, Pandemien zu bekämpfen und die knapper werden Ressourcen zu verwalten. Als CEOs können wir jungen Menschen helfen, die Augen für neue Möglichkeiten zu öffnen, indem wir unsere eigene Lebensgeschichte teilen. 

Für CEOs gibt es keine Schule

Als ich den Studenten die Gelegenheit gab mir Fragen zu stellen, wurde ich nach meinem Karriereweg zum CEO gefragt. Ich erzählte ihnen von meiner damaligen Unsicherheit und dem gleichzeitigen Wissensdurst. Den Studenten gefiel die Geschichte eines jungen Schweden der die Welt bereiste, um den Menschen in fünf Sprachen Haushaltsgeräte zu verkaufen. Noch mehr gefielen ihnen die Chancen, die sich mir durch diese Erfahrung boten. 

Natürlich gibt es keine Schule, die fertige CEOs ausbildet. Der Zugang zu Bildung ist für viele junge Menschen der erste Schritt auf ihrem Karriereweg. Um erfolgreich zu sein, brauchen sie die Möglichkeit für lebenslanges Lernen und Kontakte zu Arbeitgebern. 

Studien zeigen, dass Schüler die während ihrer Schulzeit für vier oder mehr Unternehmen gearbeitet haben, im Alter von 19 bis 24 mit höherer Wahrscheinlichkeit einen Job finden und nicht arbeitslos werden. 

„Die verlorene Generation“

Seit dem letzten Weltwirtschaftsforum in Davos 2014 haben viele Länder verlorenen Boden wieder wettgemacht, allerdings bleibt die hohe Jugendarbeitslosigkeit ein Problem. Die Folgen einer „verlorenen Generation“ sind weitreichend und betreffen nicht nur den Arbeitsmarkt. Arbeitslosigkeit beeinflusst nicht nur die Bürger sondern die gesamte Gesellschaft und auch die Wirtschaft. 

Das Ungleichgewicht zwischen Fachkräftemangel und der Zahl nicht qualifizierter Arbeiter hat negative Auswirkungen auf die Betroffenen selbst und Unternehmen.

Unsere jährliche Studie Fachkräftemangel zeigt, dass trotz der weltweit teilweise hohen Arbeitslosigkeit, 36% der Arbeitgeber Probleme bei der Besetzung von offenen Positionen haben. 

Der Einfluss von Wirtschaft und Bildung

Viele Unternehmen engagieren sich bereits gegen Jugendarbeitslosigkeit. Durch effektive Zusammenarbeit können Unternehmen den Erfolg ihrer Anstrengungen noch weiter maximieren. In Großbritannien beteiligt sich die ManpowerGroup mit anderen Unternehmen an der Kampagne Movement to Work. Ziel ist es, in 2015 100.000 Plätze für Berufsausbildung sowie Praktika zu schaffen, diese Zahl entspricht 2 % der arbeitenden Bevölkerung in Großbritannien. 

Die Bildungssysteme haben Schwierigkeiten, mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten, trotzdem müssen sie die Schüler mit den nötigen Fähigkeiten ausstatten, die sie für lebenslanges Lernen benötigen. Unternehmen müssen die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter fördern und Arbeitnehmer müssen die Gelegenheit ergreifen, wenn sich ihnen neue Aufgaben und Positionen bieten. Vorausdenkende Mitarbeiter schaffen eine Verbindung zwischen Arbeit und Lernen. Die ManpowerGroup bietet Karriere-Services, die sich an den Bedürfnissen von Studenten auf der ganzen Welt orientieren, um eine stärkere Verbindung zwischen Lernen und Arbeiten zu ermöglichen. 

Arbeitnehmer, die Verantwortung für ihre kontinuierliche Weiterentwicklung und ihre eigene Karriere übernehmen, werden erfolgreich sein. Mitarbeiter bei Experis IT sind ein gutes Beispiel, wie man durch kontinuierliches Lernen seine Fähigkeiten erweitert und gleichzeitig seinen Wert für das Unternehmen steigert. Nahezu 80 % der IT-Spezialisten, die befragt wurden, haben ihre Fachkenntnisse nicht im Studium oder durch interne Fortbildungen erworben. Durch ihre bewußte Entscheidung sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, können sie höhere Gehälter einfordern und selber entscheiden, wo und wann sie arbeiten wollen. 

Durch Praktika, Ausbildungen und Einstiegspositionen erwerben junge Menschen vielfältige Fähigkeiten und Fertigkeiten für ihr Berufsleben. Die ManpowerGroup gibt in Kooperation mit seinen Kundenunternehmen jährlich über einer Million jungen Menschen die Chance, Berufserfahrung zu sammeln und so ihre Karriere aktiv zu gestalten. 

Die Verantwortung für kontinuierliches Lernen liegt sowohl bei jedem Einzelnen als auch bei den Unternehmen, der Wirtschaft und den Regierungen. Junge Menschen müssen eigenständig ihre Erfahrungen sammeln und selber aktiv werden. Auf der anderen Seite müssen Unternehmen, Wirtschaft und Regierung intensiver zusammenarbeiten, um die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Als ich noch jung war, wusste ich noch nicht, wo mich meine Karriere hinführen würde. Heute bin ich sehr stolz darauf ein Unternehmen zu führen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen in sinnvolle Arbeit zu bringen.  

Im allgemeinen Umfeld der Unsicherheit werden einige Jobs durch moderne Technologien hinfällig werden, während auf der anderen Seite wieder neue Aufgaben entstehen. Wir als CEOs müssen unsere Lebensgeschichte teilen, Möglichkeiten schaffen damit Mitarbeiter durch Weiterbildung und Arbeit neue Fähigkeiten erwerben können und junge Menschen zu lebenslangem Lernen und nachhaltigen Karrieren befähigt werden.