Hochqualifizierte Zeitarbeit

Deutschland ist so hoch qualifiziert wie nie zuvor. Die Zahl der Studierenden wächst stetig, die Studienanfängerquote eines Jahrgangs nähert sich den 50 Prozent, wie die FAZ im März 2014 berichtete. Die gute Nachricht: Unter den Akademikern ist der Arbeitslosenanteil klein, man spricht sogar von Vollbeschäftigung. Denn in vielen Unternehmen werden hochqualifizierte Fachkräfte wie Ingenieure und IT-Experten händeringend gesucht.

 

Hochqualifizierte Zeitarbeit

Chancen für hochqualifizierte Jobsuchende bewahren

Dass die Akademiker passende Jobs finden, dazu tragen auch Personaldienstleister bei. So wächst zum Beispiel auch der Anteil der Hochschulabsolventen in der Zeitarbeit, derzeit ist schätzungsweise rund jeder zehnte Zeitarbeitnehmer Akademiker. Weil viele Arbeitgeber einen hohen Bedarf an qualifizierten Fachkräften haben, und es auf der anderen Seite immer mehr Akademiker gibt, konzentrieren sich manche Personaldienstleiser rein auf diesen Bereich. Dazu gehört etwa Experis, ein Tochterunternehmen der ManpowerGroup, das auf IT, Ingenieurs- und Finanzwesen spezialisiert ist. 

Experten in der Zeitarbeit: Arbeitseinsätze dauern oft länger

Sind Hochqualifizierte als Zeitarbeitnehmer angestellt, werden sie wie alle ihre Kollegen zu zeitlich begrenzten Einsätzen an verschiedene Unternehmen entsendet. Allerdings kommt es bei besonders gut ausgebildeten Experten überdurchschnittlich häufig vor, dass ihre Einsätze sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Der Einsatzbetrieb benötigt ihre Kompetenz durchaus auch mal anderthalb, zwei oder sogar drei Jahre lang. Denn die Hochqualifizierten übernehmen oft verantwortungsvolle Aufgaben in komplexen Projekten, die nicht nach wenigen Monaten abgeschlossen sind. Beide Seiten profitieren davon: Arbeitgeber holen sich das nötige Expertenwissen ins Haus, bewahren sich aber Flexibilität. Arbeitnehmer gewinnen über einen längeren Zeitraum viel Erfahrung und tiefe Einblicke in Unternehmen, verbessern also ihre Karrierechancen. 

Gesetzliche Beschränkung der Überlassungsdauer gefährdet Arbeitsplätze

Nun plant die Große Koalition allerdings, die Zeitarbeitsbranche weiter zu regulieren – unter anderem, indem sie eine maximale Überlassungsdauer von 18 Monaten festlegt. Das oben beschriebene Szenario, in dem der Arbeitseinsatz länger dauert, wäre damit nicht möglich. Gerade die zahlreichen hochqualifizierten Arbeitnehmer in Deutschland wären benachteiligt. Arbeitsplätze bei Personaldienstleistern, die Spezialisten oft für längere Arbeitseinsätze an ihre Kunden entsenden, wären in Gefahr. Einziger Ausweg: eine Öffnungsklausel im Gesetz, die es ermöglicht, bei nachweislichem, vorübergehendem Mehrbedarf Einsätze über die 18 Monate hinaus zu verlängern.