Integration ausländischer Fachkräfte

 

Integration ausländischer Fachkräfte bleibt Baustelle deutscher Unternehmen


Autor: Stephan Rathgeber 

In vielen Unternehmen in Deutschland, in denen angeblich großer Fachkräftemangel herrscht, könnten Talente aus dem Ausland manche Lücke schließen. Das belegt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Doch irgendwie gelingt es nicht, mehr internationale Mitarbeiter für eine Karriere in Deutschland zu gewinnen. Deutsche Arbeitgeber neigen dazu, nur Talente einzustellen, die 100 Prozent ins Profil passen.

 

Hier sollte man künftig ein stückweit vom „Perfect Match“ abrücken. Häufig ist es einfacher, neue Mitarbeiter, die nur zu 85 Prozent einem ausgeschriebenen Stellenprofil entsprechen, in Einzelbereichen zu schulen, als die Stelle noch länger unbesetzt zu lassen.

 

Als große Integrationshürde bei Firmen gilt beispielsweise die deutsche Sprache. Doch Angst vor Sprachbarrieren darf aber kein Argument gegen eine Einstellung sein. Das gilt für beide Seiten am Bewerbungstisch. Während viele ausländische Fachkräfte sich noch von sprachlichen Defiziten abschrecken lassen, setzen deutsche Unternehmen häufiger als Arbeitgeber im Ausland die Landessprache voraus. Und das, obwohl auch für viele Mittelständler das Geschäft inzwischen sehr international ist. In vielen Fällen wäre die Lösung, intern einfach auf Englisch zu kommunizieren, so wie das viele Dax-Konzerne bereits tun.

 

Vielen Personalverantwortlichen erscheint es noch zu aufwendig und teuer, Mitarbeiter aus dem Ausland zu integrieren. Damit die wirklich kommen, benötigt man oft umfassende Einstiegshilfen: Bei der Wohnungssuche und beim Umzug, bei der Wahl von Schule und Kinderbetreuung für die Familien. Damit beschäftigen sich spezialisierte Firmen, so genannte Relocation Services.

 

Besonders wichtig für eine gelungene Integration ist die individuelle Betreuung ausländischer Angestellter. Das Unterstützungsangebot sollte sich dabei auch am Herkunftsland orientieren. Beschäftigte aus südeuropäischen Ländern schätzen ganz besonders persönliche und feste Ansprechpartner, die auch für private Probleme ein offenes Ohr haben und helfen.

 

Fakt ist: Die meisten Unternehmen sind auf ausländische Mitarbeiter zu wenig vorbereitet. Die Bundesregierung hat die Integration von Fachkräften aus dem Ausland deshalb inzwischen zur Schlüsselaufgabe gemacht. Das zeigt, es bewegt sich etwas, um das Problem „Willkommenskultur“ zu lösen. Sämtliche Beteiligten sollten hier künftig an einem Strang ziehen.