Lukas oder Ahmet? Diskriminierung bei Bewerbungen

Studie belegt eindeutig: Kandidaten mit ausländischen Wurzeln werden in Bewerbungsverfahren benachteiligt. Sie haben es nachweislich schwerer, beruflich ans Ziel zu gelangen.

 

 

Ein Artikel von Kerstin Hattar

Zu diesen Ergebnissen kamen die Marktforscher über einen einfachen, aber effektiven Praxistest: Sie erstellten insgesamt vier verschiedene, fiktive Bewerberprofile,  je zwei angehende Bürokaufmann-Azubis und zwei Kfz-Mechatroniker. Auf beide Jobs bewarben sich jeweils ein deutscher Kandidat und einer mit ausländischer Herkunft.

Die Bewerbungen gingen an insgesamt 1.794 Firmen, die auch tatsächlich Stellen ausgeschrieben hatten. Ergebnisse: Sind Jobsuchende nicht deutschstämmig, müssen sie im Durchschnitt mehr Bewerbungen verschicken, bevor sie zu einem Gespräch eingeladen werden. Sie werden außerdem von Personalern seltener telefonisch kontaktiert, dafür im Schriftverkehr häufiger geduzt.

Dass Personalentscheidungen auch heute noch derartig von Vorurteilen geprägt sind, überrascht schon – denn vielerorts wird über einen Mangel an qualifizierten Bewerbern geklagt. Trotzdem ist es so, dass Firmen Kandidaten, die Hakan oder Ahmet heißen, häufiger ablehnen, obwohl sie Deutsch als Muttersprache angeben und gute Schulnoten haben.

Die Studie zitiert auch Personalverantwortliche, die unverblümt die Diskriminierung beschreiben, wie in dieser Aussage: „Wir hatten vor ca. drei Jahren einen 'Ali' als Azubi, der nur Schwierigkeiten gemacht hat. Er wurde durch insgesamt drei Betriebe gereicht, bis wir ihn rausgenommen haben. Nun möchte keiner mehr einen 'Ali' im Team haben.“ Der Studienautor appelliert an Unternehmen, solche Vorurteile abzubauen – schon aus eigenem Interesse. Er rät deshalb unter anderem zu mehr Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen. 

Kandidaten dürfen sich nicht beirren lassen

Doch was ist die Konsequenz aus dieser Studie für die Bewerber mit ausländischen Wurzeln? Die Ergebnisse zeigen beispielsweise, dass die Chancen für sie in größeren Unternehmen besser sind –weil es dort eher standardisierte Auswahlverfahren gibt und nicht eine Person allein entscheidet, so die Vermutung der Forscher.

Doch egal, wo sich die Kandidaten bewerben: Sie sollten sich nicht entmutigen lassen, sondern mit ihren Qualifikationen und Talenten trotzdem selbstbewusst auftreten. Zudem befindet sich die deutsche Wirtschaft 2014 im Aufschwung: Unternehmen, die vielleicht jahrelang zurückhaltend waren, können es sich zunehmend nicht mehr erlauben, qualifizierte Bewerber zu ignorieren – egal ob sie Lukas oder Gökhan, Anne oder Aylin heißen.

Wir von der ManpowerGroup haben als internationales Unternehmen die „Diversity“  zu einem unserer wichtigsten Werte erklärt. Wir haben die „Charta der Vielfalt“ unterzeichnet, eine Initiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen, dazu gehört auch die bessere Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.

Welche Erfahrungen haben Sie als Bewerber gemacht? Fühlten Sie sich aufgrund Ihrer Herkunft schon mal benachteiligt oder haben dies im Freundeskreis beobachtet?