Nutzerzentrierte Mitarbeiterbindung - so machen Sie ihr Unternehmen attraktiv für Bewerber und Mitarbeiter

Vor fünfzehn Jahren veröffentlichte der Informationsarchitekt Jesse James Garrett sein Buch Die Elemente der User Experience. Bis heute hat sein Modell wesentlichen Einfluss auf die Arbeit von Webdesignern.ii Seine zentrale These: Jedes Produkt und jede Dienstleistung muss konsequent aus Sicht des einzelnen Nutzers erprobt und durchlaufen werden. Nur so lassen sich bedarfsgerechte Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Wenn dieses Ziel erreicht wurde, entsteht für den Nutzer eine relevante Nutzererfahrung, die zur langfristigen Bindung an das Produkt beiträgt. Apple ist ein gutes Beispiel für ein Unternehmen, das seine Nutzer erfolgreich an die Marke bindet, unseren Umgang mit Computern, Tablets und Smartphones revolutioniert hat und bis heute als stilprägend gilt. Wie lassen sich also die Gebote der Nutzerfahrung auf die Personalgewinnung und Mitarbeiterbindung übertragen?

 

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Definition des „Nutzers“

Ein nutzerzentriertes Modell der Mitarbeiterbindung muss die Bedürfnisse der Angestellten und der Bewerber – also der Nutzer – berücksichtigen. Diese beiden Personengruppen befinden sich in verschiedenen Phasen der Interaktion mit einem Unternehmen. In einigen Fällen decken sich die Bedürfnisse dieser beiden Gruppen, in anderen Fällen unterscheiden sie sich jedoch stark. 

Umso wichtiger ist es, sich noch vor Eintritt des Bewerbers in das Unternehmen Gedanken zur Mitarbeiterbindung zu machen – und zwar genau so, wie man es auch bei einem bestehenden Mitarbeiter tun würde. 

Nutzererfahrung im Kontext der Mitarbeiterbindung 

Der Begriff der Nutzererfahrung bezieht sich typischerweise auf ein einzelnes Produkt oder eine einzelne Dienstleistung; im Kontext der Mitarbeiterbindung verhält es sich allerdings ein wenig anders: Hier umfasst der Begriff die gesamten Erfahrungen, die ein Bewerber oder ein Angestellter mit dem Unternehmen macht. Dies beginnt in dem Augenblick, in dem ein Bewerber von der Existenz des Unternehmens erfährt bis hin zu dem Abschlussgespräch (was in unserem Sinne aber eher als „Mitarbeiterbindungs-Gespräch“ verstanden werden sollte). Die „Nutzererfahrung“ umfasst somit sämtliche Interaktionen, Menschen, Orte und Bezugspunkte Ihrer Arbeitgebermarke, denen eine Person ausgesetzt ist. Ein Modell der Nutzerfahrung im Kontext der Mitarbeiterbindung muss sich auf all diese Sphären auswirken. 

Nutzerbedürfnisse: Hierbei geht es um die Notwendigkeit, das eigene Unternehmen und dessen Leistungsversprechen, aber auch die Bedürfnisse und Wünsche der Mitarbeiter und Bewerber zu kennen. Der Arbeitgeber muss wissen, was seine Bewerber und Mitarbeiter antreibt, wo sie zu finden sind und was sie beruflich erreichen wollen. Wenn Mitarbeiterbindung zur Priorität wird, dann muss man als Arbeitgeber außerdem die Gründe kennen, warum Fachkräfte einem Unternehmen treu bleiben – und welche Faktoren dazu führen könnten, dass sie das Unternehmen verlassen.

Inhaltliche Anforderungen: Ein besseres Verständnis des Nutzers hilft dabei, Inhalte gezielt anzupassen. So kann es beispielsweise sein, dass eine Person nach Informationen zur Unternehmenskultur sucht, bevor sie überhaupt eine Bewerbung in Betracht zieht. So kann es erforderlich sein, die Nutzerfahrung potenzieller Bewerber zu verbessern. Sobald ein Mitarbeiter eingestellt wurde, benötigt der Arbeitgeber womöglich mehr „Inhalte“, also Informationen zu den Erwartungen, der persönlichen Entwicklung und der Zukunftsplanung des Bewerbers. Solche inhaltlichen Aspekte lassen sich am besten durch Befragungen und persönliche Gespräche ermitteln.

Funktionalität: Fragen Sie Ihre Mitarbeiter und Bewerber: „Funktioniert die Sache aus Ihrer Sicht?“ Regelmäßige Kommunikation ist entscheidend, und ebenso wichtig ist die Entwicklung eines Systems, das Aufschluss darüber gibt, wann, wo und warum die Mitarbeiterbindung nicht mehr funktioniert.

Interaktions-, Informations- und Navigationsstruktur: Webdesigner wissen, wie wichtig es ist, dass Nutzer benötigte Informationen intuitiv finden können. So verzichtet Apple beispielsweise bewusst auf detaillierte und komplizierte Bedienungsanleitungen, denn die Interaktion und Navigation von Apple-Produkten funktioniert intuitiv. Bei Bewerbern und Mitarbeitern ist das nicht anders. Die Fülle an Möglichkeiten, die den Menschen offen stehen, um an Informationen zu gelangen – über digitale Kanäle, interne Kommunikation, Vorgesetzte und Mentoren, Kollegen, externe Quellen etc. – zeigt, wie wichtig es ist, das Gesamtbild im Blick zu behalten und sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, wann, wo und wie Menschen mit der Arbeitgebermarke interagieren.

Visuelles Erlebnis: Dies ist einer der am häufigsten übersehenen Aspekte bei der Schaffung einer auf Mitarbeiterbindung ausgerichteten Unternehmenskultur. Unternehmen, denen Mitarbeiterbindung wichtig ist, zeigen dies nicht nur durch Wort und Tat, sondern auch durch eine ausgeprägte Markenpräsenz (beispielsweise im Internet, in sozialen Medien und am Arbeitsplatz). Eine hohe Sichtbarkeit stärkt die Arbeitgebermarke und schafft zusätzliche Interaktionsmöglichkeiten. In gewisser Weise kann das visuelle Erlebnis als Erweiterung der Markenpositionierung verstanden werden und sollte deshalb sorgfältig geplant werden.