Personalmanagement im Industrie 4.0 Zeitalter: Teil I - Neue Realität

Kaum eine Diskussion über die Veränderungen in unserer Arbeitswelt kommt heute ohne die Schlagworte „Digitalisierung“ und „Industrie 4.0“ aus. Doch was genau versteckt sich hinter ihnen? Wie wirken sich diese Entwicklungen aus? Und welche Rolle kommt dem Personalwesen bei diesem Wandel zu?

 

ausgestreckte Hand,. Mann, vernetzte Punkte Digital

Die Herausforderung: Die vierte industrielle Revolution Prägend für die aktuelle, schnelle und tiefgreifende digitale Transformation unserer Gesellschaft ist nicht, dass wir einfach Computer in immer neuen Bereichen einsetzen. Das Besondere ist, dass diese Geräte miteinander vernetzt miteinander kommunizieren. Zugleich greifen sie auf unfassbar große Datenmengen zu und verarbeiten sie in kürzesten Zeitspannen. Über die Cloud können Computer, Smartphones und andere Endgeräte auf eine nahezu unbegrenzte Prozessor- und Speicherleistung sowie auf alle erdenklichen Anwendungen zugreifen. Mit Hilfe von Big Data-Lösungen lassen sich auch gigantische Datenmengen blitzschnell nach Mustern durchsuchen. Erste Elemente künstlicher Intelligenz versetzen Software-Systeme in die Lage, selbst dazuzulernen, ohne dass der Mensch hier jeden Schritt überwacht. Das Ergebnis dieser Entwicklung sind gewaltige Erschütterungen in der Unternehmenslandschaft. Neue, digitale Produkte wie der Video-Stream verdrängen klassische Produkte wie den Kinofilm. Andere werden um eine digitale Dimension ergänzt – wie etwa das Auto, das sich zum Connected Car entwickelt und bald ganz ohne Fahrer auskommt. Die Digitalisierung ermöglicht neue Dienstleistungen und neue Geschäftsmodelle – und macht alte obsolet.

Bereits vor der Digitalisierung wurde die Arbeitswelt radikal umgewälzt. Die Mechanisierung der Arbeit mit Hilfe von Wasser- und Dampfkraft gilt als erste industrielle Revolution, die arbeitsteilige Massenfertigung durch Fließbänder und elektrische Energie als die zweite. Die Automatisierung der Produktion durch die Einführung von Robotik und IT beinhaltete als dritte industrielle Revolution schon eine digitale Komponente. Nun führt uns digitale Vernetzung in die vierte industrielle Revolution. Eine Folge ist die „Industrie 4.0“, die virtuelle Verzahnung aller Produktionsprozesse. Die Verbindung verschiedener Maschinen, die elektronisch von Software gesteuert werden und über Netzwerke wie das Internet miteinander kommunizieren und interagieren, eröffnet enorme Potentiale. Solche Verbindungen können nicht nur die Herstellung von Produkten weiter beschleunigen, automatisieren und vereinfachen, sondern auch die angeschlossenen Prozesse. Für Unternehmen bietet die Digitalisierung vielfältige Potentiale, um die Entwicklung produktiv zu nutzen. Erst Vernetzung und automatisierte Interaktion ermöglichen Produkte wie das „Book on Demand“, das genau an die Nachfrage angepasst als Einzelstück so effizient hergestellt werden kann wie ein Massenprodukt. Produktionsanlagen, Fahrzeuge und Geräte, die rechtzeitig melden, wenn sie gewartet werden müssen, gehören ebenso zu den digitalen Innovationen wie Lieferroboter, die den Kurier ersetzen und Software-Bots, die Texte schreiben.

Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die Menschen in den Unternehmen. An vielen Stellen werden neue digitale Arbeitswerkzeuge eingeführt, oder die Auswertung von Daten wird Teil der Arbeitsroutine. An anderen Stellen werden Tätigkeiten überflüssig. Vor allem im Bereich von Routinejobs und körperlich anstrengenden Aufgaben werden verstärkt Arbeitsplätze wegfallen. Hinzukommen werden Arbeitsplätze voraussichtlich nicht nur in IT und Datenanalyse, sondern allgemein in Bereichen, in denen es auf Fähigkeiten ankommt, die nicht leicht maschinell zu ersetzen sind, wie Kreativität und unternehmerisches Denken.