Smarte Rekrutierung von Azubis: So geht’s!

Im Oktober begann bei vielen Unternehmen wieder die Suche nach Auszubildenden. Wir haben mit Anna Grass, Inhouse Recruiterin bei Manpower, darüber gesprochen, wie Unternehmen das Finden von passenden jungen Talenten smarter und erfolgreicher gestalten können.

 

Interview mit Anna Grass, Inhouse Recruiterin bei Manpower.

Hallo Anna, was sind typische Fehler, die Unternehmen aus Deiner Sicht machen bei der Suche nach geeigneten Kandidaten?

Anna: Zu viele Unternehmen fahren sich auf bestimmte Kriterien, wie etwa Noten oder Schulabschlüsse fest. Die Liste der geforderten Qualifikationen ist oftmals zu lang und die geforderten Punkte bei genauerer Betrachtung doch nicht so wichtig. Anstatt nach der eierlegenden Wollmilchsau zu suchen, sollten Unternehmen lieber in die strukturierte Einarbeitung und Weiterbildung investieren.


Zudem werden bisher zu wenige Praktika angeboten. Bewerbungsprozesse allein reichen oft nicht aus um für beide Seiten zu sehen, ob sie gut zueinander passen. Die Möglichkeit eines Praktikums vor der Bewerbung, schafft hier mehr Klarheit.


Ein weiterer Stolperstein bei der erfolgreichen Rekrutierung von Azubis: Langsame Reaktionen des Unternehmens auf Bewerbungen. So entgehen ihnen gute Kandidaten, die sich natürlich meistens nicht nur bei einem Unternehmen bewerben.

Worauf sollten Unternehmen besonders achten bei der Auswahl von Azubis?


Anna:
Besonders die Persönlichkeit der Azubis sollte im Vordergrund stehen. Die Passgenauigkeit zum Team und zu der Unternehmenskultur ist entscheidend.


Eine weitere wichtige Frage: Was ist die Motivation des Bewerbers für die Ausbildung? Zudem sollte man einen Schnuppertag ermöglichen und schauen, wie beide diesen wahrnehmen. Stimmt der erste Eindruck? Der Gesamteindruck der Bewerbungsunterlagen ist auch wichtig. Dabei zählt wirklich das Gesamtbild - man sollte sich nicht in jede Einzelheit verstricken.


Dabei gibt es auch “Standardfragen”, die man als Unternehmen getrost weglassen kann. Einer dieser Klassiker: Warum bewerben Sie sich ausgerechnet bei uns oder warum finden Sie das Unternehmen gut? Hier übernehmen die meisten Bewerber einfach die Floskeln der Unternehmensseite, was dann keine Aussagekraft mehr hat.

Gibt es derzeit "Trends" auf dem Azubi Markt, die Unternehmen kennen sollten?


Anna:
Für viele Unternehmen noch ungewohnt, aber eine tolle Möglichkeit: Erstkontakt über Facebook. Hier kann man z.B. Azubi Videos hochladen, damit potentielle Bewerber einen ersten Eindruck bekommen vom Unternehmen und idealerweise den direkten Vorgesetzten oder Teammitgliedern.


Ein weiterer Dienst, der praktisch auf jedem Smartphone von jungen Menschen vorhanden ist: Whatsapp. Potentielle Azubis und Duale Studenten können uns via WhatsBroadcast schreiben (wie bei Whatsapp) wenn sie ein paar Fragen zur Position oder Ausbildung haben. Hier ist die Hemmschwelle, um auf den Ansprechpartner zuzugehen gering und die Kommunikationswege sind sehr kurz und effizient.


Ein weitere Trend sind Praxistage. Unternehmen geben allein oder durch Kooperation mit Schulen konkrete Tipps an (angehende) Azubis, z.B. in Form von kurzen Praktikas. Das erleichtert die Orientierung bei Azubis bei der großen Auswahl an verschiedenen Ausbildungsangeboten und gibt einen wertvollen Einblick in das Ausbildungsunternehmen in Spe.

Thema Onboarding: Wie sieht ein guter Onboarding Prozess von Azubis aus, damit diese schnell Fuß fassen im Unternehmen?


Anna:
Generell ist ein strukturierter Aufbau der Ausbildung entscheidend. Wenn Azubis von Anfang an verstehen, was sie auf der Reise erwartet und auch mitgestalten können, womöglich steigert das natürlich die Motivation. Menschen brauchen Gestaltungsspielraum - auch in der Ausbildung.


Ganz am Anfang sollte ein klarer Einarbeitungsleitfaden stehen. Seminare, extra zugeschnitten auf Neustarter, helfen nicht nur dabei das Unternehmen, sondern auch sich untereinander kennen zu lernen. Eine Azubi Community innerhalb des Unternehmen ist für die “Neuen” sehr wertvoll. Der regelmäßige Austausch mit anderen Auszubildenden schafft Vertrauen.


Zudem ist die kontinuierliche Förderung und Begleitung durch einen Ausbilder vor Ort sehr wichtig. Dieser nimmt auch die Rolle einer Vertrauensperson ein. Menschen die neu in ein Unternehmen kommen haben viele Fragen und da ist es sehr beruhigend zu wissen, dass man eine Person hat, die einem für eben diese zur Seite steht.

Manchmal passen Unternehmen und Azubi doch nicht zusammen. Wie sieht im Fall einer Trennung eine gute "Exit Strategie" aus?


Anna:
Hier kommt wieder die Bedeutung des Ausbilders, bzw. Vertrauensperson ins Spiel. Mit dieser sollte der Auszubildende zunächst ein Gespräch suchen um mögliche Lösungen zu finden um ggf. Unstimmigkeiten aufzulösen. Die Person agiert dabei als neutrale Stelle, die wertvolle Tipps geben kann. Auch das Gespräch mit dem/r Vorgesetzten sollte möglichst bald erfolgen. Transparenz ist hier das Entscheidende. Nur so können alle Parteien gemeinsam eine gute Lösung finden.

Alle wichtigen Informationen für angehende Azubis und Studenten haben wir auf einer Seite festgehalten. Mit FAQs, Erfahrungsberichten im Videoformat sowie mit Infografiken können sich unsere jungen Bewerber/innen vorbereiten. 


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