Stillstand ist Rückschritt: Wieso wir nie aufhören dürfen zu lernen

„Ich google das mal schnell“, ist ein häufiger Impuls im Büro, wenn wir etwas nicht wissen. Gerade den jüngeren Arbeitnehmern ist oft nicht bewusst, dass diese selbstverständlich gewordene Tätigkeit eine ganz neue Möglichkeit ist. Die Suchmaschine wurde erst 1998 gegründet und ist auf Deutsch erst seit Mitte 2000 nutzbar. Und das ist nicht das einzige Beispiel: Allein ein Blick auf die Veränderungen der vergangenen 50 Jahre macht den schwindelerregenden Wandel deutlich. Alltägliche Helfer im Arbeitsalltag wie der Personal Computer, das Handy und das Internet wurden erst in dieser Zeitspanne erfunden. In der Industrie kommen vernetzte Maschinen und 3D-Drucker dazu.

 

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Wer noch mit gedrucktem Telefonbuch, Schreibmaschine und Stenoblock seine Arbeit begonnen hat, musste umdenken und umlernen. Und dafür bleibt uns immer weniger Zeit. Die Anforderungen an Beruf und Alltag ändern sich ständig. Das Streben zur ständigen Weiterentwicklung und Aneignung von neuem Wissen wird deshalb immer wichtiger.

Geschichte des Wandels

Die Arbeitswelt befindet sich seit fünfzig Jahren in einem starken Umbruch. Industrie- und Landwirtschaftssektor sind aufgrund der ständig voranschreitenden Technisierung stark geschrumpft. Die Dienstleistungsgesellschaft hat immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dieser Wandel hat Auswirkungen auf die Anforderungen an Arbeitnehmer. Mit der Zunahme des Dienstleistungssektors gibt es kaum fixe Handlungsrichtlinien. Vielmehr sind Eigeninitiative, Kreativität und Flexibilität gefordert. Eine weitere Entwicklung ist, dass dem Fachwissen immer mehr Bedeutung zugeschrieben wird und demzufolge eine Wissensgesellschaft entsteht. Da jedoch bereits gewonnenes Wissen in der heutigen Zeit sehr schnell veraltet, wird zusätzlich zu einem guten Ausbildungsniveau ständiges und lebenslanges Lernen zu einem Muss. Inzwischen ist oft nicht das Wissen an sich wichtig. Arbeitnehmer müssen heute gelernt haben, wie man sich neues Wissen aneignet und wie man fachliches Wissen schnell umsetzt.

Wie gehe ich damit um?

Diese Fähigkeit und Bereitschaft, sich immer wieder neues Wissen anzueignen und dazu zu lernen ist bedeutend. Lebenslanges Lernen heißt, die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten zu entfalten und weiterzuentwickeln. Das fordert zunehmend Eigenschaften wie Selbstständigkeit, Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein.

Das Wissen aus der Schule, der Berufsausbildung und dem Studium genügt schon lange nicht mehr für eine dreißig bis vierzig Jahre lange Berufslaufbahn. Bei einem Unternehmenswechsel ist es klar, dass wir neue Kenntnisse und Arbeitsabläufe lernen müssen. Doch auch wenn wir beim selben Arbeitgeber bleiben, schützt das nicht vor Veränderungen. Auch jahrelang aufgebautes Expertentum in einem Tätigkeitsbereich bedeutet nicht, sich Veränderungsprozessen und Fortbildungen entziehen zu können.

Digitalisierung in der Weiterbildung

Eine Möglichkeit, um „immer am Ball zu bleiben“ ist das moderne E-Learning. Gemeint ist das Lernen über elektronische und digitale Medien. Ein Beispiel ist die SAP-Schulung direkt am eigenen Computer, ohne einen physisch anwesenden Trainer. Ein weiteres ist, Projektmanagement-Wissen mit interaktiven Online-Videos zu erlernen. Das hat einige Vorteile: Lernen ist dann möglich, wenn es gerade in den Joballtag passt statt zu vorgegebenen Zeiten. Zudem fallen Anfahrtswege weg. Die ManpowerGroup stellt ihren Mitarbeitern beispielsweise eine moderne und kostenlose E-Learning Plattform namens „powerYOU“ zur Verfügung. Das Angebot reicht von MS-Office-Schulungen bis zu Trainings in zwischenmenschlicher Kommunikation. Zusammen mit technischen Schulungen werden pro Jahr mehr als 5.000 Weiterbildungsmaßnahmen in fast allen Berufssegmenten durchgeführt.

Im Alltag für den Job lernen

Nicht alle Fähigkeiten, die im modernen Jobleben gefordert werden, können im formellen Bildungssystem erlangt werden. Allein die Fertigkeit, auf wechselnde Arbeitsbedingungen zu reagieren und sich stetig anzupassen, ist in keiner Schule erlernbar. Für diese Fähigkeit ist die Schule des Lebens wichtiger. Immer mehr Personalverantwortliche schauen daher in den Bewerbungsmappen jenseits von Ausbildung und Berufserfahrung auf die Hobbies und privaten Fertigkeiten des Bewerbers. Als Trainer einer Jugendmannschaft können beispielsweise Führungskompetenzen und Konfliktmanagement erlernt werden. Wer sich mit Flüchtlingen oder pflegebedürftigen Familienangehörigen durch den Behördendschungel gekämpft hat, schult sein Organisationstalent.

Hobbies und Ehrenämter im Lebenslauf zeigen nicht nur, was wir gelernt haben. Sie heben den Bewerber auch ab von anderen Interessenten. Viele Bewerber hatten tolle Jobs, waren im Ausland, haben hervorragende Abschlüsse. Aber der Marathonläufer signalisiert Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit, der Poetry Slammer Kreativität. Und zieht dadurch bei der Bewerberauswahl vielleicht an anderen Kandidaten vorbei.