Vertrauen – Der Schlüssel zum erfolgreichen Arbeitgebermarketing

Vertrauen

Ein Artikel von Stephan Rathgeber

 

Unternehmen investieren viel Zeit und Geld in Konzepte, wie sie Talente gewinnen und binden. Eine zentrale und oft vernachlässigte Komponente bei Aufbau und Pflege der Arbeitgebermarke ist das Vertrauen in die Mitarbeiter. Sie sind die besten Markenbotschafter, die sich ein Unternehmen wünschen kann.

 

In der Praxis setzen viele Arbeitgeber kein echtes Vertrauen in ihre Mitarbeiter. Sie versuchen, mit einer Fülle an Verhaltensregeln die Kontrolle über die Arbeitgebermarke zu behalten. Sie senden damit die Botschaft: Den Mitarbeitern ist nicht zu trauen. Und lassen dabei  außer Acht, dass Menschen so oder so über ihre Arbeit und Arbeitgeber sprechen - ganz einfach und anonym über die zahlreichen Arbeitgeberbewertungsplattformen und sozialen Netzwerke.

 

Employer-Branding-Vorreiter gehen umgekehrt vor. Diese Unternehmen setzen Social Media und Bewertungsplattformen nicht mit Kontrollverlust gleich. Sie betrachten kununu und Co. als die Ideenkästen des 21. Jahrhunderts und hören zu, was dort gesagt wird. Die Bewertungsportale sind eine Chance, zu lernen und die Beziehung zu den wichtigsten Stakeholdern zu festigen. Und diese Arbeitgeber hören nicht nur hin, sie handeln auch. Hier einige ihrer Tipps:

 

  1. Schaffen Sie Plattformen, an denen Mitarbeiter offen über das Unternehmen reden können. Ermutigen Sie die Mitarbeiter, Sie als Arbeitgeber zu bewerten und richten Sie zahlreiche  Kanäle dafür ein.
  2. Machen Sie aus Mitarbeitern Social-Media-Experten, anstatt Facebook zu verbieten. Trainieren Sie die Mitarbeiter, wie sie soziale Netzwerke für die tägliche Arbeit nutzen können.
  3. Antworten Sie auf Bewertungen. Rund sieben von zehn Jobsuchende betonen, dass sich ihre Sicht auf ein Unternehmen verbessert, wenn ein Unternehmensvertreter auf Lob und Kritik individuell reagiert. Reden Sie bei Kritik offen über den Sachverhalt und zeigen Sie, dass sich das Unternehmen kümmert. Bieten Sie bei Lob zusätzliche Informationen und damit eine tiefere Sicht in das Unternehmen an.
  4. Zeigen Sie aktiv, wie die Unternehmenskultur aussieht und welche Arbeitsbedingungen einen Jobsuchenden erwarten. Drei Viertel der Bewerber wollen darüber mehr erfahren. Und sie sagen, dass längst nicht alle Firmen diese Informationen bereitstellen. Eine gute Gelegenheit also, sich vom Wettbewerber abzuheben!
  5. Machen Sie aus Kandidaten Botschafter. Bieten Sie während oder nach dem Bewerbungsgespräch Gelegenheiten, damit ein Kandidat über seine Erfahrungen sprechen kann. Verschicken Sie zum Beispiel Links an Ihre Bewerber, damit sie sich bei Facebook, Twitter, XING oder kununu äußern. Möglichkeiten zum Weiterempfehlen sollten ebenfalls nicht fehlen.
  6. Sorgen Sie dafür, dass die Mitarbeiter auch dem Arbeitgeber mehr vertrauen. Chefs, die häufiger aussprechen, wie stolz sie auf die Arbeit ihrer Mitarbeiter sind, stärken das Vertrauen in die Führung.  Interne Kommunikationsmittel helfen dabei.

 

Lieber gute Mitarbeiter beschäftigen als Policies schreiben

 

Ein gutes Beispiel aus den USA ist Netflix. Dort fand man heraus, dass sich 97 Prozent der Mitarbeiter auch ohne Regelkorsett im Sinne der Firma verhalten. Sie gehen mit Internas vertrauensvoll um und lästern nicht über ihren Arbeitgeber. Anstatt also horrende Summen für HR-Policies auszugeben, konzentriert sich Netflix darauf, die passenden Menschen einzustellen. Zudem gibt man den Angestellten das Vertrauen, sich frei über das Unternehmen zu äußern. Parallel werden sie trainiert, verantwortlich zu handeln. Fehlertoleranz ist dabei ein zentraler Faktor.

 

Mehr Vertrauen wagen

 

Letztendlich steht jeder Arbeitgeber für sich vor der Frage: Wie verankern wir Vertrauen in unsere Unternehmenskultur? Die genannten Tipps liefern hierfür einige Anregungen. Sie sind natürlich nicht für jeden Arbeitgeber eins zu eins übertragbar. Selbst Vorreiter in Sachen Employer Branding sagen: Regeln und Absprachen sind notwendig. Aber sie sollten so einfach und nachvollziehbar wie möglich sein. Dann werden sie auch nicht als Kontrolle wahrgenommen.

 

Vielleicht startet man einfach mit der Überlegung: Was passiert eigentlich, wenn wir unseren Mitarbeitern viele tolle Geschichten zum Berichten geben und dazu noch die Plattformen zum Verbreiten? Wir finden, einen Versuch ist es wert!