Von oben herab: Entscheidungen bleiben in Deutschland Chefsache

Mit angeblich flachen Hierarchien werben viele Unternehmen in Deutschland um die Gunst neuer Mitarbeiter. Doch in der Realität sieht es meist anders aus, wie die repräsentative Umfrage „Jobzufriedenheit 2018“ der ManpowerGroup zeigt, für die im April 2018 1.010 Bundesbürger online befragt wurden.
 

Fehlendes Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter

Nur jeder vierte Arbeitnehmer findet am Arbeitsplatz tatsächlich flache Hierarchien vor. Lediglich ein Drittel der Befragten gab an, Entscheidungen alleine oder im Team zu treffen. In den meisten Fällen haben also die Vorgesetzten in puncto Entscheidungsfindung das letzte Wort, was zu Lasten des Vertrauens in die eigenen Mitarbeiter geht. „Die Mitarbeiter müssen das Vertrauen ihrer Vorgesetzten spüren, um innovativ arbeiten zu können“, sagt auch Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. Die Studie zeigt aber: Vertrauen und Transparenz prägen nur für rund ein Viertel der Befragten ihren Arbeitsalltag. Diesen Umstand sieht Brune als Gefahr für die kreativen Ressourcen eines Unternehmens: „Wenn Führungskräfte alle Entscheidungen von oben nach unten weitergeben, nutzen sie das kreative Potenzial ihrer Mitarbeiter nicht aus.“

+++ Die Studienergebnisse finden Sie hier +++

Skepsis gegenüber agilen Methoden

Auch innovative und agile Arbeitsmethoden stoßen bei vielen Führungskräften noch auf Ablehnung. Aus dem „Start-up Mekka“ Silicon Valley bekannte Praktiken wie beispielsweise Scrum, Kanban oder Design Thinking kennen hierzulande nur acht Prozent der Befragten aus ihrem beruflichen Alltag. Diese misstrauische Haltung zeigt sich auch gegenüber sozialen Medien wie beispielsweise Skype. Social Media spielt nur für zwölf Prozent der Bundesbürger im Berufsalltag eine Rolle – trotz der zu erwartenden Veränderungen im Zuge des digitalen Wandels. Um aber mit der Digitalisierung Schritt halten zu können, sei der Einsatz von neuen Kommunikationstechnologien ein erster Anfang, meint auch Brune.

Moderne Unternehmenskultur in den Kinderschuhen

Generell scheint die Innovationsfreude innerhalb der deutschen Unternehmenskultur noch nicht allzu stark ausgeprägt zu sein. Der Satz „Aus Fehlern lernt man“ findet im beruflichen Kontext nur selten Gehör. Nur jeder Vierte gab an, dass in seiner Firma Fehler als menschlich und als Lernchance gesehen werden. Toleranz im Umgang mit Fehlern, die in vielen amerikanischen Start-ups fest in der Unternehmensphilosophie verankert ist, ist in Deutschland eher Ausnahme als Regel. Daher bekräftigt Brune auch: „Nur wer Fehler macht, kann auch Fortschritte machen.“

Über die Umfrage

Für die bevölkerungsrepräsentative Befragung „Jobzufriedenheit 2018“ wurden online 1.010 Bundesbürger befragt. Das Marktforschungsinstitut Toluna führte sie im April 2018 durch.