Warum der deutsche Arbeitsmarkt zu starr ist

Teil 1

 

Autor: Volkmar Knaup, Geschäftsführer, ManpowerGroup Solutions GmbH

 

Wenn es um Erfolge am Arbeitsmarkt geht, blickt die Welt häufig mit Bewunderung nach Deutschland. Während viele Länder der Eurozone mit einer hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben, verzeichnet Deutschland steigende Beschäftigtenzahlen. Es scheint, als könne weder die Einführung des flächendeckenden und branchenübergreifenden gesetzlichen Mindestlohns noch die unsichere konjunkturelle Entwicklung dieses Bild trüben. Zwar stieg auch in diesem Winter die Zahl der Jobsuchenden in Deutschland saisonbedingt an, jedoch weniger als üblich.

 

Angesichts des robusten Arbeitsmarktes verdeutlichte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Herbst 2014, dass sich der Zusammenhang zwischen Konjunktur und Beschäftigung in den vergangenen Jahren abgeschwächt hat. Lange Zeit galt der Grundsatz, dass die deutsche Wirtschaft um 1,5 Prozent wachsen müsse, damit mehr Stellen geschaffen als abgebaut werden. Nun scheinen sich beide Größen ein Stück weit voneinander entkoppelt zu haben.

 

Fachkräftemangel erfordert Nutzung flexibler Arbeitsmodelle

 

Als eine der möglichen Ursachen hierfür gilt der demografische Wandel und damit einhergehend die angespannte Lage bei der Suche nach Fachkräften. Die Zahl der nicht vergebenen Jobs bei den Unternehmen steigt daher weiter an. Im Januar waren 485.000 offene Stellen bei den Arbeitsagenturen gemeldet, 60.000 mehr als vor einem Jahr, berichtet der Tagesspiegel. Besonders gesucht seien Fachkräfte für Verkauf, Verkehr und Logistik, in technischen Berufen und im Gesundheitssektor.

 

Dass die Suche nach Fachkräften jedoch häufig scheitert, zeigt auch die ManpowerGroup-Studie „Fachkräftemangel 2014“. Darin geben vier von zehn Arbeitgebern in Deutschland an, Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen zu haben. Das entspricht einem Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. An Aussagekraft gewinnt diese Zahl, wenn man sie einem weiteren Ergebnis der Studie gegenüberstellt: 50 Prozent der betroffenen Unternehmen sehen durch die Rekrutierungsprobleme ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Doch 44 Prozent verfolgen keine gezielte Strategie zur Lösung des Problems.

 

Hinzu kommt, dass bewährte HR-Strategien nach und nach an Bedeutung verlieren, denn die Welt der Arbeit verändert sich schneller als je zuvor. Der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens ist zunehmend davon abhängig, ob es in der Lage ist, passende Nachwuchskräfte oder erfahrene Spezialisten für offene Positionen zu finden und auf sich ändernde Rahmenbedingungen zu reagieren.

 

Gerade deshalb sind Arbeitgeber verstärkt darauf angewiesen, flexible Arbeitsmodelle zu nutzen. Dies ist in Deutschland jedoch schwieriger als in manchen anderen Ländern. Dazu mehr in Teil 2 des Artikels.