Warum der deutsche Arbeitsmarkt zu starr ist - Teil II

Autor: Volkmar Knaup, Geschäftsführer, ManpowerGroup Solutions GmbH

In Teil 1 des Artikels ging es um den Fachkräftemangel in Deutschland und die daraus resultierende Notwendigkeit, flexible Arbeitsmodelle einsetzen zu können. Wie eine Untersuchung der ManpowerGroup zeigt, wird die deutsche Wirtschaft dabei allerdings ausgebremst.

In der 75 Länder umfassenden Studie, über die exklusiv die WirtschaftsWoche berichtete, wurde 2014 zum zweiten Mal die relative Leichtigkeit ermittelt, mit der Unternehmen flexible Arbeitsmodelle nutzen können. Hierzu zählen Teilzeitbeschäftigung, Zeitarbeit, Projektarbeit und externe Beratung. Das Resultat des Contingent Workforce Index (CWI) ist aus deutscher Sicht ernüchternd. Deutschland erreicht 2014 einen Flexibilitätswert von 1,87, das entspricht in der weltweiten Rangliste Platz 65. Zur Ermittlung der Indexwerte werden unter anderem Daten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der Weltbank und der jeweiligen nationalen Arbeitsministerien aggregiert. Darüber hinaus fließen geopolitische Aspekte in die Bewertung ein. Auf Basis dieser Daten werden vier Faktoren gemessen, aus deren Durchschnitt der Indexwert resultiert. Bei den vier Faktoren handelt es sich um die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, regulatorische Beschränkungen, Arbeitskosten und Produktivität.

Im weltweiten Vergleich an der Spitze liegt Hongkong mit einem Wert von 2,75, gefolgt von den USA (2,71) und China (2,70). Während Hongkong und die USA in Bezug auf die Kosteneffizienz gleichauf liegen, weist Hongkong eine höhere Produktivität auf. Chinas Kosteneffizienz und Produktivität sind zwar niedriger bewertet, die Volksrepublik erzielt aber aufgrund der im internationalen Vergleich höchsten Verfügbarkeit von Arbeitskräften eine Spitzenposition. Den besten Wert in Europa erreicht Großbritannien (2,47). Dort kompensieren günstige regulatorische Bedingungen und gute Produktivitätswerte die hohen Arbeitskosten. Deutschland liegt innerhalb Europas deutlich im unteren Drittel. Dahinter folgen nur Griechenland (1,85), Italien (1,75), Frankreich (1,72) und Luxemburg (1,70).

Hohe Arbeitskosten wirken sich negativ aus

In der Bewertung Deutschlands macht sich die hohe Produktivität positiv bemerkbar. Trotz eines im internationalen Vergleich hohen Urlaubsanspruchs und vieler gesetzlicher Feiertage erreicht Deutschland Rang 20. Doch die übrigen drei Faktoren lassen den Indexwert der Bundesrepublik deutlich sinken. Zwar haben die Hartz-Reformen dazu geführt, den starren deutschen Arbeitsmarkt ein Stück weit zu flexibilisieren. Doch immer noch zählen die gesetzlichen Bestimmungen hierzulande gerade in Bezug auf Zeitarbeit zu den strikteren im internationalen Vergleich. Dies führt in der Studie zu Rang 42 in puncto regulatorische Beschränkungen.

Ebenfalls im unteren Mittelfeld, auf Platz 45, rangiert Deutschland, wenn es um die Verfügbarkeit von Arbeitskräften geht. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU und Erleichterungen bei der Erlangung einer Arbeitserlaubnis für qualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern haben hier Verbesserungen herbeigeführt. Doch gleichzeitig wird die Einführung der abschlagsfreien Rente mit 63 die Verfügbarkeit von Arbeitskräften in den kommenden Jahren wieder mindern.

Regulierungen könnten Wettbewerbsfähigkeit mindern

Weit abgeschlagen auf Rang 67 ist Deutschland der Studie zufolge in Bezug auf die Arbeitskosten. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 EUR pro Stunde seit Januar 2015 steigert die Arbeitskosten zusätzlich. Ein Vergleich mit dem internationalen Spitzenreiter Hongkong zeigt auf, dass dortige Unternehmen durchschnittlich weniger als die Hälfte des hiesigen Lohns zahlen. Zudem belaufen sich die abgeführten Lohnnebenkosten auf weniger als ein Viertel des deutschen Niveaus. Auch Abfindungen sind in Hongkong vergleichsweise niedrig; in Deutschland sind Ausgleichszahlungen bei der Aufhebung eines Arbeitsvertrages im Schnitt mehr als viermal so hoch. Der dritte und abschließende Teil des Artikels wird sich mit der Frage beschäftigen, inwiefern eine weitere Regulierung des Arbeitsmarktes die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gefährdet.