Warum der deutsche Arbeitsmarkt zu starr ist -Teil III

Autor: Volkmar Knaup, Geschäftsführer, ManpowerGroup Solutions GmbH

In Teil 1 des Artikels ging es um den Fachkräftemangel in Deutschland und die daraus resultierende Notwendigkeit, flexible Arbeitsmodelle einsetzen zu können. Wie Teil 2 anhand des Contingent Workforce Index zeigt, sind die Rahmenbedingungen dafür in Deutschland eher ungünstig. Deutschland liegt im internationalen Vergleich relativ weit hinten.


Zu befürchten ist, dass Deutschland im Ranking in diesem Jahr noch weiter abrutscht. Die genannten Faktoren Rente mit 63 und gesetzlicher Mindestlohn sind nur zwei mögliche Ursachen hierfür. Schwerwiegender könnten sich die Pläne der Großen Koalition auswirken, Zeitarbeit und Werkverträge weiter zu regulieren. Schon seit der Verabschiedung des Koalitionsvertrages spürt man eine zunehmende Unruhe in der deutschen Wirtschaft. Denn interne Flexibilisierungsinstrumente wie Arbeitszeitkonten oder staatlich unterstützte Programme wie die Kurzarbeit reichen nicht aus, um den Flexibilisierungsbedarf der deutschen Wirtschaft zu decken.  Schließlich benötigen Unternehmen in einer globalisierten Welt auch externe flexible Arbeitsformen wie Zeitarbeit, um ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht nur zu wahren, sondern zu stärken. Zum einen müssen sie auf Auftragsschwankungen reagieren können und zum anderen ihren Fachkräftebedarf decken.

 

Mit einem Anteil von etwa zwei Prozent aller Beschäftigten spielt Zeitarbeit in Deutschland eine wesentlich kleinere Rolle als beispielsweise in Frankreich oder Großbritannien. Trotzdem ist sie in der öffentlichen Diskussion stark präsent, was den Ruf nach gesetzlicher Regulierung immer wieder laut werden lässt. Dabei hat sich die Branche in den vergangenen Jahren selbst höhere Standards auferlegt. Mit den Gewerkschaften wurden höhere Entgelte im Manteltarifvertrag vereinbart sowie Branchentarifzuschläge zur Verminderung möglicher Unterschiede in der Bezahlung von Zeitarbeitnehmern und der Stammbelegschaft eines Unternehmens.

 

Flexibilisierung ist essenziell für die deutsche Wirtschaft

 

Weitere Regulierungen wie die pauschale Gleichbezahlung nach neunmonatiger Einsatzdauer (Equal Pay) und eine Begrenzung der Einsatzdauer auf maximal 18 Monate sehen auch unabhängige Institutionen kritisch. Unter anderem warnen die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und das Institut der deutschen Wirtschaft in der Studie „Einstieg in Arbeit“ vor einer stärkeren Regulierung der Zeitarbeit. Auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung spricht sich in seinem jüngsten Jahresgutachten gegen zusätzliche Regulierungen von Zeitarbeit und Werkverträgen aus. Vielmehr solle man sich an langfristigen Herausforderungen orientieren und mehr Vertrauen in Marktprozesse legen, mahnen die Wirtschaftsweisen.

 

Für intakte Marktprozesse ist Flexibilisierung essenziell und Outsourcing wird weiter an Bedeutung gewinnen. Dies gilt nicht nur für Werkverträge im produzierenden Gewerbe, sondern insbesondere auch für Lösungen wie Recruitment Process Outsourcing (RPO) und Managed Service Providing (MSP), dem Management aller Vertrags- und Lieferantenbeziehungen zur Optimierung der Beschaffungsprozesse. Auf Recruitment Process Outsourcing greifen Unternehmen zurück, um das Fachwissen spezialisierter Dienstleister im Hinblick auf zeitgemäße, zielgruppengerechte Rekrutierungsstrategien und Employer Branding zu nutzen. Dabei werden entweder einzelne Komponenten wie die Kandidatensuche und -vorauswahl oder der gesamte Personalbeschaffungsprozess ausgelagert.

 

Die Herausforderungen akuten Personalbedarfs, beispielsweise beim Aufbau eines neuen Standorts, können durch zeitlich befristete RPO-Projekte bewältigt werden. Allen RPO-Lösungen gemein sind klare Service Level Agreements. Sie liefern verlässliche Ergebnisse in Bezug auf die Qualität, sorgen für Kostentransparenz und ermöglichen eine gezielte Steuerung der Aktivitäten. Unternehmen gewinnen einerseits durch die schnelle Besetzung offener Stellen an Reaktionsvermögen. Andererseits begegnen sie flexibel dem schwankenden Bedarf an Neueinstellungen, ohne die Kapazitäten der eigenen Personalabteilung anpassen zu müssen.

 

Dadurch werden im HR-Bereich die Voraussetzungen für einen Fokus auf strategische Personalarbeit geschaffen. Outsourcing-Lösungen sind notwendig, um trotz des starren Arbeitsmarktes Flexibilität zu schaffen. Die Entscheidung gegen oder für die Auslagerung von Prozessen und die damit einhergehende Fokussierung auf die eigenen Kernkompetenzen liegt in der Verantwortung eines jeden Unternehmens. Weitere Regulierungen würden die unternehmerische Freiheit einschränken und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland im internationalen Vergleich senken. Deutschland muss aufpassen, dass es in dieser Hinsicht nicht den Anschluss verliert.