#Workhacks für agile Zusammenarbeit im Team - ein Selbstversuch

#workhacks sind die einfachsten und effektivsten Methoden, um Veränderungen in einem Team voranzubringen. Dabei wurden die besten Instrumente erfolgreicher Unternehmen genommen und aufs Wesentliche verdichtet.

#workhacks verändern und verbessern die Zusammenarbeit, erhöhen die Effizienz und sorgen für mehr Agilität – radikal einfach, radikal reduziert.

 

Im Interview erklärt Stephan Rathgeber, Director Marketing, Digital und Communications bei der ManpowerGroup, der mit seinem Marketingteam workhacks nutzt, welche Erfahrungen sie bisher gemacht haben.

Mir ist zu Ohren gekommen, dass Du jetzt workhacks bei Dir im Marketingteam einsetzt. Wie ist es dazu gekommen?

Das stimmt. Wir setzen uns sehr viel mit neuen Arbeitsmethoden auseinander und sind offen für Experimente, die vielversprechend erscheinen. Neue Wege auszuprobieren ist unerlässlich in einer sich immer schneller drehenden Arbeitswelt.

Heute gibt es ja ganz viele Angebote und Möglichkeiten, die Zusammenarbeit im Team besser zu gestalten. Warum ausgerechnet workhacks?

Es gibt sehr viele Studien zum Thema Zusammenarbeit – beispielsweise die aktuelle Studie von Google, die zwei Jahre 180 Teams beobachtet hat und zu folgenden Ergebnissen gekommen ist.

In erfolgreichen Teams...

1. fühlen sich die Mitarbeiter sicher und haben keine Angst

2. gibt es eine Struktur und es herrscht Klarheit

3. kann man sich auf seine Teammitglieder verlassen

4. glauben die KollegInnen an das, was sie tun

5. glauben Teammitglieder an den Einfluss ihrer Arbeit

Da wir ohnehin an die Bedeutung der Zusammenarbeit für den Erfolg unseres Unternehmens glauben, ist das eine klare Bestätigung dieser Überzeugung. Aber zurück zur Frage: Ja, es gibt sehr viele Anbieter für gute Zusammenarbeit und Kulturwandel etc. Was uns am Konzept von workhacks, so wie Lydia Schültken es entwickelt hat, so begeistert, sind die geringen Hürden bei der Einführung der workhacks und zudem, dass die Kollegen selbst wählen, was für sie gut ist – aus einem Fundus von sehr gut durchdachten und teilweise auch humorvollen workhacks.

Was meinst du mit geringen Hürden?

Viele Berater kommen mit großen Konzepten und langen Analysephasen. Nach der Analyse müsste man bei uns schon wieder neu anfangen, weil sich bis dahin so viel verändert hat. Also brauchen wir Instrumente, die leicht einsetzbar sind – quasi sofort. In dem workhacks Framework haben wir genau solche Instrumente gefunden. Sie sind schon nach 2 Minuten Erklärung plausibel und nach max. 2 Stunden einsatzfähig. Das nenne ich mal Geschwindigkeit.

Das klingt aber nicht nach einem fundamentalen Wandel...

Da bin ich ganz anderer Meinung. Es ist ein Wandel, der sich Stück für Stück und sehr nachhaltig seinen Weg bahnt. Der erste workhack in unserer Abteilung, den wir eingeführt haben ist die Fokuszeit: Das heißt, wir reden von 09:30 bis 10:30 Uhr in unserer Abteilung nicht. Kein Telefon, keine Meetings, kein Smalltalk, einfach absolute Stille. Jeden Tag. Das machen wir jetzt schon eine Weile und die Erfolge sind super. Das Team legt sich gezielt Aufgaben für diese Zeit fest, die ununterbrochene Konzentration erfordern. Wir schaffen dadurch mehr. Und dass durch so eine kleine, aber auch radikale Veränderung. Ich würde sagen, dass wir uns in kleinen Schritten wandeln – in unserer Geschwindigkeit und mit Lösungen, die zu uns passen.

Und diese Fokuszeit, die haben sich die KollegInnen selbst ausgewählt?

Lydia Schültken hat uns als Abteilung in etwa 1,5 Stunden das Thema workhacks vorgestellt. Dann gab es ein 2-stufiges Abstimmungsverfahren. Im ersten Durchgang konnten die KollegInnen entscheiden, ob sie überhaupt mit dem Thema workhacks arbeiten wollen. Das war eine schriftliche, anonyme Abstimmung. Lydia hat eine Regel, nach der sie bei mehr als 30% Nein-Stimmen gar nicht erst anfängt. Das ist konsequent.

Bei uns haben alle ein „Ja“ auf ihren Zettel geschrieben. Es war anfangs etwas ungewohnt sich bei einer derart wichtigen Entscheidung als Führungskraft völlig rauszunehmen. Aber der Vorteil ist natürlich, dass bei einem positiven Votum später auch alle in der Praxis mitziehen, weil sie es selbst ausgewählt haben.

In der nächsten Runde haben wir dann abgestimmt, welchen workhack wir als erstes einsetzen. Lydia hat uns 10 workhacks vorgestellt, die völlig unterschiedliche Themen adressieren: Effizienz, Feedback, Kommunikation, Innovation, Sinn und weitere. Also sehr divers. In diesem Abstimmungsprozess haben wir uns mehrheitlich für die Fokuszeit entschieden.

Das klingt aber kompliziert. Weißt du nicht als Director am besten, was für dein Team gut ist?

Das ist es ja. Wir Führungskräfte glauben andauernd, dass wir es besser wüssten. Aber genau das ist nun mal nicht immer der Fall. Natürlich kann ich nicht alle Entscheidungen ins Team geben. Aber wie wir zusammenarbeiten, dass sollte von allen gestaltet und gemeinsam entschieden werden. Was mir bei workhacks richtig gut gefällt ist, dass wir die Wahl aus einem guten Angebot haben. Bei der Vorstellung der 10 workhacks fielen Sätze wie: „Was, wir können jetzt nur einen machen?“ Wir hatten als Gruppe Lust, einige von den vorgestellten workhacks sofort auszuprobieren.

Ist es dann nicht gut, wenn man den Wunsch der Gruppe erfüllt und gleich mehre workhacks umsetzt? Ich hatte es jetzt so verstanden, dass ihr erst mal ausschließlich die Fokuszeit umsetzt.

(lacht), daran haben wir auch gedacht! Aber das Konzept sieht nicht mehr als eine Veränderung pro Monat vor, denn die Etablierung neuer Gewohnheiten braucht Zeit. Ich kenn das ja auch von mir: ich fange gern mit 5 Dingen an und mache alles parallel. Aber das hat – wenn ich ehrlich bin – mindestens zwei Nachteile: zum einen überfordere ich mich selbst und halte nicht alles durch und zum zweiten überfordere ich auch mein Team. Ein workhack pro Monat reicht völlig aus. Schließlich muss das Alltagsgeschäft ja auch bewältigt werden – wir leben ja nicht davon, workhacks einzusetzen.

Verstehe, die workhacks adressieren also allgemeine Themen der Zusammenarbeit und nach einer Vorstellungs- und Abstimmungsrunde kann sich das Teams für einen workhack entscheiden, der dann sofort eingeführt wird. Nach einem Monat wird dann der nächste workhack eingeführt. Wie viele workhacks werdet ihr denn einführen?

Wir haben uns erst einmal auf vier eingelassen, um das System auszuprobieren. Wenn wir merken, dass wir mehr Bedarf haben machen wir weiter. Vielleicht machen wir auch eine Pause, damit wir uns daran gewöhnen können. Es gibt ja nichts schlimmeres, als Gutes zu beginnen und es dann einschlafen zu lassen. Da passen wir gerade ganz gut auf, dass uns das nicht passiert.

Was würdest Du denn nach den ersten Eindrücken sagen: Für wen eignen sich die workhacks und für wen eher nicht?

Wir fangen gerade an, sie in weiteren Abteilungen einzusetzen. Da hab ich den Eindruck, dass sie sich für Menschen eignen, die offen sind etwas anderes auszuprobieren. Die entsprechende Führungskraft sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass sie “Entscheidungsmacht” abgibt und mehr Selbstorganisation zulässt.

Ein bisschen Mut gehört ja schon dazu, weil man nicht weiß, wofür sich das Team entscheidet und ob es dann auch wirklich funktioniert. Es eignet sich sicher nicht in Krisensituationen, wo es eher um die Suche nach Stabilität und Sicherheit geht.

Bei uns funktioniert es richtig super und ich bin froh, dass wir uns dafür entschieden haben.

Vielen Dank, Stephan, für den Einblick und viel Erfolg weiterhin – auch mit den #workhacks 

 

Wer steckt hinter #workhacks?

Lydia Schültken ist die “Erfinderin” von workhacks und Inhaberin der Internetseite: www.workhacks.de

Sie arbeitet seit 10 Jahren als selbständige Beraterin, hat viele digitale Unternehmen und Startups beraten und ist mit Feuereifer dabei, gelungene Instrumente für den Kulturwandel zu finden. Diese findet und erfindet sie mit viel gesundem Menschenverstand - besonders inspiriert durch Erkenntnisse aus Verhaltenspsychologie, Neurobiologie, positiver Psychologie, Agile Management, Design Thinking, Lean Startup und Selbstorganisation.

Sie sieht den Schlüssel für echte Veränderung in der Entwicklung neuer, besserer Routinen. Sie weiß selbst, wie schwer es ist, neue Routinen anzunehmen und unterstützt Teams dabei, geeignete für sich zu finden und auch dann dran zu bleiben, wenn es anfängt, schwer zu werden. Sie ist Unternehmerin mit Leib und Seele, denn: “machen ist wie wollen, nur krasser.”