Jobzufriedenheit 2016: Nur jeder Zweite ist mit seinem Job zufrieden 

  • 44 Prozent der Arbeitnehmer wollen den Job wechseln
  • Firmen fehlt es an Familienfreundlichkeit und Karriereförderung
  • Digitaler Arbeitsalltag für Mitarbeiter eher Segen als Fluch

 

Eschborn, 12. April 2016 – Nur jeder zweite Angestellte in Deutschland ist mit seinem Job zufrieden, fast ebenso viele würden in den kommenden zwölf Monaten wechseln (44 Prozent). Gründe für die Unzufriedenheit gibt es viele: So bemängeln 87 Prozent der Befragten, dass es bei ihrem aktuellen Arbeitgeber keine professionelle Karriereförderung gibt. In zwei Drittel der Firmen finden nicht einmal regelmäßige Personalgespräche oder Weiterbildungen statt. Auch um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist es schlecht bestellt: 73 Prozent der Angestellten bewerten ihren Arbeitgeber als nicht familienfreundlich. Flexible Arbeitszeiten für Mitarbeiter mit Kindern gibt es in der Mehrheit der Firmen nach wie vor nicht (72 Prozent). Dies sind Ergebnisse der Studie „Jobzufriedenheit 2016“ der ManpowerGroup Deutschland, für die im März 2016 insgesamt 1015 Deutsche ab 18 Jahren befragt wurden.

 

In deutschen Unternehmen sind flexible Arbeitszeiten für Eltern nach wie vor ein seltenes Gut. Nur 28 Prozent der Betriebe bieten ein familienkompatibles Arbeitsmodell an. Mehr als ein Drittel der Arbeitgeber ergreifen nicht eine einzige Maßnahme, um Familien zu unterstützen (36 Prozent). Ein solches Verhalten kann sich schnell negativ auf die Betriebsergebnisse und das Arbeitsklima auswirken: „Heute erwarten Frauen wie Männer ausreichend Zeit und Energie für die Familie. Das geht nicht ohne Unterstützung des Arbeitgebers, wenn beide Elternteile arbeiten“, sagt Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. „Viele Firmen haben das zwar erkannt und werben mit Familienfreundlichkeit – stecken in der Umsetzung von Maßnahmen aber fest.“

 

Im Detail sieht es um die Umsetzung der Maßnahmen wie folgt aus: Nur 18 Prozent der Unternehmen pflegen den Kontakt zu Mitarbeitern in Elternzeit und laden diese beispielsweise zu Firmenveranstaltungen ein. Vorbilder auf Führungsebene gibt es nur in 15 Prozent der Firmen, die meisten leitenden Angestellten nehmen keine besondere Rücksicht auf familiäre Verpflichtungen. Nur jedes zehnte Unternehmen bietet Unterstützung beim Thema Kinderbetreuung an, etwa durch eigene Betreuungsmöglichkeiten oder Hilfe bei der Suche nach einem Kita-Platz. „Die Unternehmen müssen nicht jede erdenkliche Unterstützung anbieten“, so Brune. „Aber es sollte grundsätzlich ein familienfreundliches Klima etabliert werden, indem auch Flexibilität akzeptiert und gelebt wird. Sonst wandern wichtige Schlüsseltalente zu Wettbewerbern ab oder fangen gar nicht erst an.“ 

Weiterbildung wird vielen Angestellten vorenthalten 

Neben Familienfreundlichkeit ist den Deutschen die Förderung ihrer Karriere wichtig. Ein Aspekt, der ebenfalls in vielen Firmen zu kurz kommt. Nur ein Drittel der Betriebe führen regelmäßig Personalgespräche durch oder bieten aktiv Weiterbildungen an. 22 Prozent der Deutschen haben die Möglichkeit, Bildungsurlaub zu nehmen oder werden für Weiterbildungen freigestellt. Auch eine regelmäßige Analyse des Mitarbeiterpotenzials findet nur in jedem fünften Unternehmen statt.

 

„Der Dialog über Weiterentwicklung ist ein großer Motivationsfaktor, der leider häufig unterschätzt wird“, sagt Herwarth Brune, Deutschland-Chef der ManpowerGroup. „Dabei wiegen Motivation, Leistungsbereitschaft und Loyalität der Mitarbeiter den Aufwand und die Kosten für die Karriereförderung mehrfach auf.“

„Weiche“ Kriterien werden beim Jobwechsel immer wichtiger

Die Wechselbereitschaft der Deutschen ist aufgrund der Unzufriedenheit groß: Fast die Hälfte der Arbeitnehmer sind bereit, in den nächsten zwölf Monaten ihren derzeitigen Job zu kündigen (44 Prozent). Die meisten geben an, einen Job mit höherem Gehalt zu suchen, wobei dieser Faktor im Vergleich zum Vorjahr an Bedeutung verloren hat. Gestiegen ist dagegen die Bedeutung von Wertschätzung der Leistungen, Spaß an der beruflichen Tätigkeit, einem insgesamt guten Arbeitsklima sowie einem guten Verhältnis mit dem direkten Vorgesetzten.

Digitaler Arbeitsalltag für die Deutschen kein Stressfaktor

Die Digitalisierung der Arbeitswelt bereitet den Deutschen hingegen keine Sorgen. Mehr als jeder Dritte (36 Prozent) sieht darin vor allem Vorteile, etwa Zeitersparnis in der Kommunikation, praktische IT-Programme oder gute Online-Recherchemöglichkeiten die das Arbeiten erleichtern. Ein weiteres Drittel der Arbeitnehmer ist der Meinung, dass sich durch die Digitalisierung Vor- und Nachteile die Waage halten. 19 Prozent geben an, dass die neuen Medien ihr berufliches Umfeld gar nicht verändert. Nachteile im Arbeitsalltag sieht weniger als jeder sechste Arbeitnehmer (14 Prozent). „Die Offenheit der Mitarbeiter für digitale Arbeitserleichterungen sollten die Unternehmen nutzen, um sich für die Zukunft aufzustellen“, so Herwarth Brune.

 

Download der Presseinformation:

PM Studie: Jobzufriedenheit 2016