Anerkennung ausländischer Abschlüsse weit unter Ziel
Bundesinnenministerin und der Bundesarbeitsminister wollen die Fachkräftelücke schließen – doch nur wenige ausländische Abschlüsse wurden bislang anerkannt

Alarmierender Trend gefährdet die Migrationsziele
Arbeitskräfte aus dem Ausland sowie Geflüchtete aus der Ukraine sind wirtschaftlich gefragt. Die Wirtschaft ist auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen, doch die Zahl der Arbeitskräfte mit anerkannten ausländischen Berufsabschlüsse ist alarmierend niedrig.
Von ca. 350.000 unbesetzten Stellen, die eine Qualifikation erfordern, wurde im Jahr 2011 nur jede siebte Stelle mit einer ausländischen Fachkraft besetzt. Laut Statistischem Bundesamt liegt die Zahl der Fachkräfte aus dem Ausland, die Stellen besetzen sollen, nun bei 400.000 – pro Jahr.
Deutlicher Anstieg kurz nach Kriegsbeginn
Analysen nach resultiert der russische Angriff auf die Ukraine auch darin, dass sich Stellenanzeigen auf dem Arbeitsmarkt vermehrt an ukrainische- und russischsprachige Bewerber richten. „Die Herausforderungen sind groß, aber wir sind bei der Integration der geflüchteten Menschen auf einem guten Weg“, so der Arbeitsminister Hubertus Heil.
Die Anerkennung der Abschlüsse ist schleppend
So gibt es zwei Zielgruppen: Die Muttersprachler und die Deutschen, die in der Flüchtlingshilfe gefragt sind (Ämter, Kinderbetreuung oder Sozialarbeit).
Hoch ist die Nachfrage für im Gesundheits- und Sozialwesen sowie Gastgewerbe. Hier arbeiten viele Frauen unter ihrer Qualifikation, da die Anerkennung der Abschlüsse nur langsam oder gar nicht erfolgt. Daher sind viele der Geflüchteten aus der Ukraine auf Sozialhilfe und das private Engagement der Bevölkerung angewiesen. Doch die Hilfsbereitschaft hat etwas abgenommen.
Prognosen zufolge soll das Stellenangebot im Hinblick auf den Arbeitskräftemangel weiterwachsen. Hier strebt der Arbeitsminister eine Reform des Einwanderungsgesetzes an, um diese Hürden zu verringern.
Studie gibt Ausblick auf den Arbeitsmarkt
Zusätzlich hinterlässt die aktuelle Wirtschaftskrise Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Unternehmen müssen aufgrund hoher Warenpreise auf ihre Kosten achten. Laut der aktuellen Studie des Personaldienstleisters ManpowerGroup, dem Arbeitsmarktbarometer / MEOS Q4-22, sind Arbeitgeber vorsichtiger als noch vor einem Monat oder vor einem Jahr.
Der Netto-Beschäftigungsausblick (NBA) zeigt weiterhin, trotz leichtem Rückgang, einen hohen Wert. Die stärkste Personalnachfrage haben mit + 50 Prozent Non-Profit-Organisationen. +43 Prozent ist es in der Banken-, Finanzen-, Versicherungs- und Immobilien-Branche. Zögerlich sind dagegen die Sektoren Primärproduktion (+ 11 Prozent) sowie Bildung, Gesundheit, Soziales und Verwaltung (+ 18 Prozent).
Lesen Sie den vollständigen Artikel, um herauszufinden, wie die Expert*innen die aktuelle Lage der Zeitarbeit einschätzen.
Der Beitrag ist erschienen auf der Online-Plattform der WELT am 20.09.2022.