Bald eine Million offene Stellen?
Der heikle Boom am Arbeitsmarkt ... Eric de Jonge, Deutschlandchef der ManpowerGroup, in der WELT mit Kommentar zur aktuellen Situation am Arbeitsmarkt.

Die Zahl der offenen Stellen lag im Mai auf einem neuen Rekordhoch
In Deutschland werden mehr Arbeitsverträge abgeschlossen als früher, was kein Zeichen für Aufschwung ist. Dahinter steht eine besorgniserregende Entwicklung. Ein Plus jedoch für Arbeitnehmer, die sich von der Idee eines perfekten Lebenslaufs trennen können.
Aktuelle Umfragen, wie das Arbeitsmarktbarometer Q3 2022 der ManpowerGroup, bestätigen das. Hier wurden mehr als 40.000 Arbeitgeber in Unternehmen und im öffentlichen Sektor in 40 Ländern befragt. Die Corona-Jahre scheinen überwunden und Unternehmen stellen wieder ein - der saisonbereinigte Netto-Beschäftigungsausblick (NBA) liegt für Q3 2022 bei plus 23 Prozent. Die stärkste Nachfrage an Fachkräften (+37 %) zeigt die IT-, Technik-, Telekommunikations-, Kommunikations- und Medien-Branche. Der kleinste Zuwachs (+12 %) im Sektor Primärproduktion.
Eric de Jonge, Deutschlandchef der ManpowerGroup, beurteilt das wie folgt. Die Erwartungen der Arbeitgeber in Deutschland sind positiv und deuten darauf hin, dass sich die Wirtschaft des Landes nach dem pandemiebedingten Einbruch erholt. Die Beschäftigungsaussichten verbessern sich um 10 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und um 1 Prozentpunkt zum Vorquartal.
Die Zahlen überraschen, mit Blick auf die Rekord-Inflation, Unsicherheiten durch den Ukraine-Krieg und Rezessionssorgen. Der Einstellungsboom spiegelt sich nicht auf den Märkten wider. Die Zahl der offenen Stellen hat einen neuen Höchststand erreicht und viele Branchen suchen dringend nach Fachkräften. Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat sich dieser um 32 % erhöht.
Arbeitgeber haben Schwierigkeiten Stellen zu besetzen
So überrascht es nicht, dass 79 Prozent der deutschen Arbeitgeber Probleme haben, offene Stellen zu besetzen. Der Optimismus ist durch den Fachkräftemangel gedämpft, so de Jonge. Gesucht sind vor allem Technologie- und Datenkompetenzen, Spezialisten für Personalwesen sowie Personal für Front Office/Kundenkontakt, Operations und Logistik.
Regionalen Differenzen sind in Deutschland nicht unerheblich. Insgesamt ist dieser Einstellungsboom jedoch nicht nur auf Deutschland beschränkt, wie das Arbeitsmarktbarometer bestätigt.
Diese Nachricht ist auch Mitarbeiter*innen und Bewerber*innen bekannt. Folglich sind Arbeitsverträge detailreicher geworden, die Veränderungsbereitschaft steigt, Fachkräfte liebäugeln vermehrt mit neuen Jobs und die Loyalität zu ihren derzeitigen Arbeitgebern sinkt.
Das besorgt viele Arbeitgeber, die Kündigungen von Talenten befürchten. Es gibt jede Menge Perspektiven und Möglichkeiten, sich weiterzubilden.
Veränderungen im Berufsleben gehören dazu
Die Mitarbeiter*innen werden erfolgreich sein, die bereit sind neue Fähigkeiten zu erlernen und sich auf andere Arbeitsfelder einzulassen. Der Trend geht weg vom perfekten Lebenslauf, Karriere muss nicht mehr geradlinig sein und Quereinstiege sowie Umorientierung sind gefragt.
Der Beitrag ist erschienen auf der Nachrichten-Plattform die WELT am 17.06.2022. Lesen Sie jetzt den vollständigen Beitrag im beigefügten PDF.
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