Technologischer Wandel im Gesundheits- und Life-Sciences-Sektor: Die Rolle der Arbeitskräfte
Erfahren Sie, wie Künstliche Intelligenz und digitale Innovationen die Healthcare- und Life-Sciences-Branche verändern und warum eine strategische Workforce-Planung entscheidend für nachhaltigen Erfolg ist.

- KI-Versprechen vs. Realität:
Während KI das Gesundheitswesen z. B. in der Krankheitsfrüherkennung und im Remote Monitoring transformiert, nutzen nur 19 Prozenz der Arbeitgeber im Gesundheitswesen KI konsequent in ihren Recruiting-Prozessen. - Milliardenschwere Patentklippe:
Die Patentabläufe im Wert von 236 Milliarden US-Dollar zwischen 2025 und 2030 treiben dringende Investitionen in KI-gestützte Forschung und Entwicklung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. - Aufstieg hybrider Kompetenzen:
Zukünftige Rollen im Gesundheitswesen erfordern eine Kombination aus technischer Expertise und menschlichen Fähigkeiten, um personalisierte Versorgung in einer KI-geprägten Welt zu ermöglichen. - Intelligenteres Recruiting, breitere Talentpools:
Digitale Zwillinge („Twin Factories“) und globale Talentstrategien verändern Arbeitsmärkte grundlegend und erfordern lokale Einstellungsansätze sowie grenzüberschreitende Workforce-Lösungen.
Healthcare & Life Sciences (HCLS) ist eine Branche, die jeden von uns berührt. Ob es die Pflegekraft in der Notfallpraxis ist, ein Medikament, das einer nahestehenden Person geholfen hat, oder ein klinischer Durchbruch, der das Leben eines Menschen verlängert - dieser essenzielle Sektor ist zutiefst persönlich und wächst rasant.
Mit dem schnellen Wachstum steigt jedoch auch die Komplexität. Heute bewegt sich die HCLS-Branche in einem dynamischen Umfeld, das von Fachkräftemangel, regulatorischem Druck und technologischer Transformation geprägt ist. Im Zentrum dieser Entwicklung steht die Künstliche Intelligenz (KI). Dies ist eine Kraft, die alles verändert: von der Wirkstoffforschung bis zur Workforce-Strategie.
KI: Das Fundament künftiger Gesundheitssysteme
Die Einführung von KI im HCLS-Sektor nimmt deutlich zu. Krankenhäuser setzen KI für Früherkennung, Remote-Monitoring und datenbasierte Echtzeitanalysen ein - mit dem Ziel, die Versorgung zu optimieren und Patientenerlebnisse stärker zu personalisieren. Pharmaunternehmen nutzen KI, um Forschung und Entwicklung zu beschleunigen und die Zeit bis zur Markteinführung wichtiger Therapien zu verkürzen. Gleichzeitig geben jedoch nur 19 Prozent der HCLS-Arbeitgeber an, KI in ihren Einstellungsprozessen bereits vollständig auszuschöpfen.
Diese Lücke zwischen Potenzial und Wirkung ist bemerkenswert. Während 96 Prozent der Führungskräfte auf C-Level davon ausgehen, dass KI die Produktivität steigern wird, berichten 77 Prozent der Beschäftigten, dass sie dadurch weniger produktiv geworden seien. Nahezu die Hälfte gibt an, nicht zu verstehen, wie KI ihnen überhaupt helfen soll.
Diese Diskrepanz macht eine zentrale Herausforderung sichtbar: Technologie allein reicht nicht aus. Organisationen müssen in Qualifizierung, Upskilling und Change Management investieren, um das volle Potenzial von KI zu erschließen.
Der Patentablauf („Patent Cliff“) und die Beschleunigung von F&E
Zwischen 2025 und 2030 steht die Pharmabranche vor einem „Patent Cliff“ von 236 Milliarden US-Dollar, da nahezu 70 Blockbuster-Medikamente ihre Exklusivität verlieren. Das erhöht den Druck, Innovationen voranzutreiben und stärker in Forschung und Entwicklung zu reinvestieren. Mehr als die Hälfte der Biopharma-Führungskräfte sagt, dass sie ihre Entwicklungsstrategien neu denken muss.
KI spielt dabei eine Schlüsselrolle. Digitale Zwillinge, Predictive Analytics und KI-gestützte Wirkstoffentdeckung helfen Unternehmen, die Arzneimittelentwicklung zu beschleunigen. Doch Talente bleiben ein Engpass: Ein Viertel der Branchenentscheider sagt, dass es ihnen schwerfällt, komplexe technische Rollen zu besetzen.
Die Kompetenzen, die am stärksten zählen
Da KI und Machine Learning zunehmend integraler Bestandteil von HCLS-Prozessen werden, steigt die Nachfrage nach Fachkräften, die klinische Expertise mit Datenkompetenz und datengetriebener Entscheidungsfindung verbinden. Rollen, die technische Fähigkeiten (zum Beispiel Data Science, Software Engineering oder Machine Learning) mit tiefem wissenschaftlichem bzw. klinischem Know-how kombinieren, treiben Innovationen voran und verbessern die Versorgung - in einer Branche, die kontinuierlich nach mehr Effizienz strebt.
Doch auch wenn Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zunehmend technologisches Verständnis suchen, bleiben zwischenmenschliche Fähigkeiten unersetzlich. Ethisches Urteilsvermögen, Patientenorientierung und Kommunikation gehören zu den am schwierigsten zu automatisierenden Kompetenzen. Daraus ergibt sich ein doppelter Handlungsauftrag: für KI zu qualifizieren und zugleich in human-zentrierte Fähigkeiten zu investieren, die personalisierte Versorgung ermöglichen und das Patientenerlebnis verbessern.
Twin Factories und die globale Talentgleichung
Ein besonders spannender Trend ist der Aufbau sogenannter „Twin Factories“ - paralleler Produktionsstandorte in einer anderen Region, um Herausforderungen in Lieferketten zu begegnen. Diese Standorte helfen Pharma- und Fertigungsunternehmen, geopolitische Risiken zu reduzieren, Lieferketten zu lokalisieren und Kosten zu senken. Gleichzeitig verändern sie den Arbeitsmarkt.
Wenn ein neuer Produktionsstandort entsteht, bringt das eine Vielzahl an Rollen mit sich: Equipment-Technikerinnen und -Techniker, Projektmanagerinnen und -manager, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Ingenieurinnen und Ingenieure, Sicherheitsdienste, Reinigungsservices und vieles mehr. Neue Standorte erzeugen Nachfrage nach einer breiten Palette an Kompetenzen. Sie ziehen damit eine gesamte „Workforce“ (sowie deren Familien) in eine Region.
Auch grenzüberschreitende Lösungen nehmen zu. Remote-fähige Rollen in Forschung und Entwicklung sowie Data Science können global besetzt werden - im Gegensatz zu vor Ort gebundenen Produktionsjobs, die lokales Talent erfordern. In beiden Fällen investieren Workforce-Strateginnen und -Strategen verstärkt in Upskilling und Reskilling, um dem anhaltenden Fachkräftemangel in der HCLS-Branche zu begegnen.
Kostendruck und strategische Workforce-Planung
Wirtschaftliche Unsicherheit und steigende Kosten in den Lieferketten zwingen HCLS-Organisationen dazu, Einstellungen neu zu bewerten. Im vierten Quartal 2025 planten 46 Prozent der Arbeitgeber, den Personalbestand konstant zu halten, während 16 Prozent mit Reduzierungen rechneten. Einstellungen erfolgen zunehmend selektiv und konzentrieren sich auf hochqualifizierte Rollen sowie auf Funktionen an der „Frontline“.
Strategische Workforce-Planung ist wichtiger denn je. Es wird erwartet, dass die M&A-Aktivität 2026 wieder anzieht - insbesondere in Wachstumsfeldern wie Onkologie und KI-Therapeutika. Doch nahezu ein Drittel der M&A-Misserfolge ist auf kulturelle Konflikte und Talentverlust zurückzuführen. HR-Verantwortliche müssen Übergänge proaktiv steuern, Strategien für den Einsatz von Fremd- und Projektpersonal optimieren, Bindungsprogramme für kritische Talente entwickeln und Expertise gezielt neu allokieren. Gleichzeitig müssen sie betroffene Mitarbeitende durch Career-Transition-Programme unterstützen.
Eine menschenzentrierte Tech-Zukunft
So sehr Technologie die Healthcare- und Life-Sciences-Branche verändert, bleibt eine Wahrheit konstant: Menschen stehen im Mittelpunkt. KI, digitale Tools und Twin Factories bieten enormes Potenzial. Aber ihr Erfolg hängt davon ab, wie gut Organisationen ihre Workforce darauf vorbereiten, diese Transformation anzunehmen und aktiv zu gestalten.
Bei ManpowerGroup beobachten wir Wandel nicht nur, wir ermöglichen ihn. Unser globaler Healthare-&-Life-Sciences-Bereich unterstützt Organisationen dabei, sich in einer technologiegestützten Zukunft anzupassen, zu wachsen und erfolgreich zu sein. Wir arbeiten mit Kundinnen und Kunden zusammen, um die dringendsten Workforce-Herausforderungen entlang von vier zentralen Dimensionen zu lösen:
- Fachkräftemangel & Skill Gaps:
Skills-basiertes Recruiting, Upskilling, Reskilling und grenzüberschreitende Lösungen. - Technologische Weiterentwicklungen:
Change Management, digitale Transformation und KI-Enablement. - Regulatorik & Compliance:
Kosteneinsparungen, Systemmonitoring und proaktive Planung. - Workforce-Aspekte:
Career Transition, Total Talent Management und strategische Beratung.
Die Zukunft von HCLS wird davon geprägt sein, wie gut wir Innovation mit Empathie, Automatisierung mit menschlichem Verständnis und Strategie mit Umsetzung verbinden. Bei ManpowerGroup bringen wir tiefes Branchen-Know-how, skalierbare Talentlösungen und ein unerschütterliches Bekenntnis zum menschlichen Potenzial zusammen.
Ergebnisse zum Download:
Den vollständigen deutschen Report und seine Ergebnisse können Sie hier kostenfrei herunterladen.
> Healthcare & Life Sciences World of Work 2026 Outlook / DE (PDF)
Über die Autorin
Tonya Tatro ist Global Vice President & General Manager, Health Care & Life Sciences bei ManpowerGroup. Sie verantwortet Vertrieb und Strategie für die wichtigsten globalen Kundinnen und Kunden von ManpowerGroup in diesem Vertikalbereich und bringt Branchenexpertise sowie kreative Lösungsansätze ein. Frau Tatro ist eine ausgewiesene Führungspersönlichkeit in allen zentralen Bereichen der Professional-Workforce-Solutions-Branche. Sie begann ihre Karriere bei ManpowerGroup im Jahr 2002 und hatte im Laufe ihrer Laufbahn mehrere strategische Rollen inne. Tonya engagiert sich leidenschaftlich dafür, die Zukunft der Arbeitswelt mitzugestalten, und bringt sich aktiv in die Communities ein, in denen sie lebt und arbeitet. Frau Tatro hat an der University of Minnesota Duluth einen Bachelor-Abschluss in Administration mit Schwerpunkt Human Resource Management und Kommunikation erworben. Sie unterstützt Kundinnen und Kunden dabei, Innovationen voranzutreiben, und hilft Menschen, sinnstiftende Arbeit zu finden.
