Arbeitsmarkt durch Corona in Schieflage
So schlecht waren die Jobaussichten auf dem deutschen Arbeitsmarkt schon lange nicht mehr.

Das ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometer verzeichnet diesmal den stärksten Einbruch seit Beginn der Befragung in 2003. Das Unternehmen misst in jedem Quartal die Stimmung bei deutschen Arbeitgebern. Der saisonbereinigte Netto-Beschäftigungsausblick berechnet sich aus der Differenz zwischen den Arbeitgebern, die Personal einstellen und jenen, die Personal reduzieren möchten. Dieser Wert fiel auf den niedrigsten Wert seit zehn Jahren und liegt nun bei

Für das Arbeitsmarktbarometer hat die ManpowerGroup im April 2020 weltweit 34.000 Arbeitgeber in insgesamt 43 Ländern nach ihren Erwartungen zur Beschäftigungslage in ihrem Unternehmen für die jeweils nächsten drei Monate befragt. Zu diesem Zeitpunkt war die Coronakrise bereits das beherrschende Thema und beschäftigte die Wirtschaft weltweit. Der Vergleich der aktuellen Ergebnisse mit dem Vorquartal spiegelt die Einschätzungen der Unternehmen vor und während des Ausbruchs der Pandemie wider.

Unsicherheit und Vorsicht dominieren
In Deutschland droht Personalabbau.
Hotels und Restaurants geschlossen
Die Krise verschont keine Branche. Allerdings sind die Spuren der Corona-bedingten Vollbremsung unterschiedlich tief. Zu kämpfen hat vor allem das Gastgewerbe: Die erzwungenen Schließungen im Kampf gegen die Verbreitung des Virus entziehen der Branche die Geschäftsgrundlage. Der saisonbereinigte Beschäftigungsausblick fällt mit -16 Prozent trüb aus. Das sind 29 Prozentpunkte weniger als im Vorquartal, als die Krise noch nicht in Sicht war. Vor Ausbruch der Pandemie hatten sich Hotels und Restaurants positiv entwickelt und ihre Personalsuche stetig verstärkt.

Die Talfahrt der Wirtschaft könnte länger anhalten, befürchten Ökonomen. Eine globale Rezession bedeutet auch für Finanzexperten eher düstere Aussichten. Das zeigt sich auch jetzt schon in den Personalplanungen: In der Finanzbranche sank die Einstellungsbereitschaft von +22 Prozent auf + fünf Prozent. Das ist der zweitgrößte Einbruch im Branchenvergleich. Auch die Industrie plagen Konjunktursorgen. Der Beschäftigungsausblick geht hier um elf Prozentpunkte zurück und erreicht damit den schlechtesten Wert seit zehn Jahren
Frankfurt am Main blickt verhalten ins neue Quartal, Berlin hält sich
Die Krise ist flächendeckend, wie das Arbeitsmarktbarometer zeigt. Bundesweit sind alle Regionen betroffen und müssen Einbußen hinnehmen. Am stärksten betroffen ist Frankfurt am Main. Die deutsche Bankenmetropole büßt unter dem Einfluss der Finanzbranche beim Beschäftigungsausblick 33 Prozentpunkte ein und liegt jetzt bei -16 Prozent. So schlecht stand die Rhein-Main-Metropole noch nie da. Noch am wenigsten beeindruckt zeigen sich Berliner Unternehmen: Der Beschäftigungsausblick gibt lediglich um zwei Prozentpunkte nach und liegt bei
Licht am Ende des Tunnels
Immerhin gibt es auch Lichtblicke: Die Unternehmen wurden im Rahmen der MEOS-Befragung auch nach ihren Einschätzungen der Folgen durch Corona befragt. Demnach geht immerhin fast die Hälfte der Firmen davon aus, dass die Talsohle recht zügig durchschritten sein wird. In zwölf Monaten werde man bei der Bewerbersuche und bei Einstellungen wieder auf Vor-Corona-Niveau sein.
Über das ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometer
Die ManpowerGroup veröffentlicht jedes Quartal das ManpowerGroup-Arbeitsmarktbarometer, für das weltweit Arbeitgeber zu ihren Einstellungs- und Entlassungsplänen im jeweils kommenden Quartal befragt werden. Die erhobenen Daten werden von jahreszeitlichen Schwankungen befreit. Mit dem internationalen Titel "ManpowerGroup Employment Outlook Survey" ist das Arbeitsmarktbarometer die am längsten laufende weltweite Untersuchung zur Einschätzung der zukünftigen Arbeitsmarktentwicklung.
Mehr Informationen und ausführlichere Ergebnisse zum Arbeitsmarktbarometer Q3-2020.
Die jeweils aktuellste Version und den Link zum Archiv finden Sie auf der Übersichtsseite des Arbeitsmarktbarometers.